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Einblicke

Auf der Suche nach meinem Seelenverwandten

Auf der Suche nach meinem Seelenverwandten

Eigentlich wusste ich von Anfang an sehr genau, was ich wollte. Beruflich wie sportlich. Und doch war ich viele Jahre lang unglücklich und irgendwie einsam.

Ich arbeitete im Büro, hatte eine spannende Aufgabe in einer Werbefirma, koordinierte unter anderem die Arbeit und Aufträge von elf Fotografen, es gab viele Weiterbildungen, was dannzumal nicht selbstverständlich war, und ich wurde mit 25 Jahren zur jüngsten Teamleiterin dieses Konzerns gewählt. Sportlich war ich in der Frauenriege unseres Dorfes eingebunden. Ich turnte in der Kategorie Gymnastik und war darin sehr erfolgreich. Ich war schlank, kräftig und sehr gelenkig. Wir turnten immer wieder an Schweizer Meisterschaften und erreichten einmal den zweiten Rang, ein Grosserfolg für unser kleines Dorf.

Viel Aufmerksamkeit

Ich war zu jener Zeit hübsch und kam bei den Männern sehr gut an. Ich bin ganz ehrlich: Ich genoss diese Aufmerksamkeit, beruflich wie im Sport. Es gehörte einfach zu mir, dass ich überall, wo ich hinkam, im Mittelpunkt stand. Doch auch wenn ich vielleicht an jedem Finger zwei Verehrer hätte haben können, so richtig glücklich wurde ich mit meinen Liebschaften nicht. Einer war zu dominant, der Nächste zu eifersüchtig, andere nervten mich durch ihre ständigen Aufmerksamkeiten. Irgendwie hatte ich das Gefühl, keiner konnte es mir recht machen. Mutter schämte sich im Dorf wegen meiner vielen wechselnden Partnerschaften. «Bettina, du giltst im Dorf als Flittchen», warnte sie mich.

«Nur, weil ich mal mit dem einen oder anderen ausging, heisst das noch lange nicht, dass ich etwas mit ihm habe», erklärte ich ihr, und wusste doch ganz genau, dass sie im Grunde genommen Recht hatte. Ich ärgerte mich, dass sie sich in meine Dinge mischte.

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Urs, Roman, Georg oder Werni

Doch es war so, dass ich mehr Freunde als Freundinnen hatte. Beispielsweise Urs, mit ihm ging ich regelmässig zum Tanz. Hatte ich wieder mal einen festen Freund, mussten diese Tanzabende pausieren, weil der aktuelle Partner keinen Nebenbuhler duldete. Roman, ein langjähriger Schulfreund, lud mich manchmal zum Kaffee ein. Er war ein guter Gesprächspartner. Als er heiratete, endete auch dieser Kontakt. Mein Freund Georg führte mich aus wie eine Trophäe, dies nervte. Bald hatte ich das Gefühl, dass er weniger an mir interessiert war als vielmehr an den Komplimenten, die er für mich bekam. Wir waren auch selten alleine, er liebte es, in Gesellschaft anderer zu sein.

Renato wiederum verbrachte seine Wochenenden auf dem Fussballplatz. Er freute sich, wenn ich am Spielfeldrand sass und mitfieberte. Mit Werni gingen irgendwann die Themen aus, nachdem wir uns alles über uns erzählt hatten. Wir hatten uns buchstäblich nichts mehr zu sagen. Und, und, und … Ich könnte noch viele Bespiele aufzählen.

Tickte ich noch richtig?

Auch meine Schwester redete mir mit den Jahren ins Gewissen. Doch ich war der felsenfesten Überzeugung, dass der Richtige noch kommen werde. Ich wollte nicht beim Erstbesten bleiben, dafür war ich mir zu schade und dafür war ich zu selbstbewusst. Passte es nicht, dann ging ich. So einfach war es. Doch je älter ich wurde und umso mehr Freundschaften oder Freundschaftsversuche hinter mir lagen, umso mehr begann ich mir Gedanken zu machen, ob ich wirklich richtig tickte.

Fast alle meine Freundinnen waren nun in festen Händen, die meisten bereits verheiratet und hatten Kinder. Was machte ich falsch, dass ich immer an Männer gelangte, die mich nach wenigen Wochen auch körperlich abstiessen?

War das Liebe?

Als sich meine beste Freundin mit 24 Jahren verlobte und bald darauf schwanger wurde, war sie glücklich. Das Baby würde ihre eher schwierige und angespannte Beziehung festigen, davon war sie überzeugt. Ich fand, dass man in einer solchen Situation einfach kein Kind hat, doch meine Freundin meinte, ich sei zu hart in solchen Dingen, ich liesse einer Situation einfach auch keine Chance. Sie aber heiratete, freute sich am Fest und pflegte mit grosser Liebe ihr Baby. Sie war glücklich, während er sich wieder vermehrt «der Pflege» seiner Kollegen zuwendete, sie sahen sich oft tagelang kaum. War das der Inbegriff einer glücklichen Beziehung? Sie strahlte, aber ich hatte das Gefühl, dass sie tief im Innersten unglücklich war. Sie tat mir leid, aber darüber reden wollte sie nicht. Es war nun einfach mal so. Irgendwie hatte sie recht, was wollte sie daran noch ändern?

Nein, auf einen solchen Handel würde ich mich nicht einlassen wollen. Lieber allein sein oder die Beziehung beenden, wenn es nicht funktioniert, als das: verheiratet sein mit einem Mann, der zwar das Geld heimbrachte, aber seine freie Zeit kaum mehr mit seiner Familie teilte. «Wo lebst du denn?», fuhr sie mich eines Tages an, als ich sie darauf ansprach. «Glaubst du, eine Beziehung ist immer nur heile Welt? Das ist wie ein Vertrag, er bringt das Geld nach Haus und ich habe meine ehelichen Verpflichtungen …, na ja, lassen wir es.» Sie tat mir leid.

Aber hatte ich eine bessere Lösung? Ich hatte sie nicht. Ich war im Grunde genommen zutiefst frustriert von meinen immer wieder neuen Beziehungsversuchen und spürte, wie ich den Männern gegenüber kühler wurde.

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Weg, raus aus dem System

Mit 28 entschied ich mich, aus dem Turnverein auszutreten. Zwanzig Jahre sind genug, fand ich. Ich stand nun bald vor der Dreissig und wollte meinem Leben noch einmal einen neuen Inhalt geben. Ich befasste mich mit dem Vorhaben, auszuwandern. Zumindest für ein paar Jahre, denn irgendwie hatte sich in mir drinnen alles totgelaufen, ich war so ohne Ziele. Manchmal beneidete ich sogar meine Freundin. Ihre Tage waren ausgefüllt, ihre Beziehung hielt, auch wenn sie weiterhin – für mich zumindest – fragwürdig blieb.

Eine meiner ersten Aufgaben, um auswandern zu können, war das Beenden alter Kontakte und Gepflogenheiten. So unter anderem das Auflösen meiner Vereinstätigkeit. Ich lud nach meinem letzten Training alle zu einem Umtrunk ins Rössli ein. Der Saal war voll, unsere Gymnastikgruppe kam und auch die Faustballer waren dabei. Wir waren an die 50 Personen und es wurde ein schöner Abend.

Ich kannte ihn nicht

Ja, und dann kam ganz rasch alles anders, anders, als ich plante. Mal sass ich am Tisch der Turnerinnen, dann wieder wechselte ich zu den Faustballern, und irgendwann, als die Ersten heimkehrten, kam es zu einer neuen Sitzverteilung und ich sass vis-à-vis von Ralf, Benno und Erich. Wir hatten es lustig, es war ein gemütlicher Abend; vor allem über Ralf war ich erstaunt – der stille, ruhige Mann amüsierte mich sehr. Ralf ist einer jener Menschen, die man übersieht, von seinem Aussehen her wie von seiner Art. Er steht immer in der zweiten Reihe, aber da fühlt er sich scheinbar wohl. Er war leicht untersetzt und eher blass. Aber er hatte zwei wache braune Augen. Diese faszinierten mich an diesem Abend sehr. Wer war er? Ich spürte plötzlich, dass ich es wissen wollte. Ich kannte Ralf so lange, und doch wurde mir klar, dass ich ihn im Grunde genommen gar nicht kannte. Wusste nicht einmal genau, was er arbeitete. Als ich ihn fragte, ob er am nächsten Abend etwas vorhatte, schaute er mich erstaunt an und grinste: «Ja, jetzt – mit dir.»

«Die magst du doch.»

Zwei Wochen später hatte ich überhaupt kein Interesse mehr auszureisen. Ich war verliebt, so wirklich und tief, Ralf faszinierte mich ungemein. Es machte mich wahnsinnig, dass es da einen Mann gab, der überhaupt kein Interesse an mir zu haben schien und doch einfach da war. Er wollte mich auch nicht seinen Kollegen vorstellen, sein Auto zeigte er mir auch nicht. Er war einfach da. Statt Apéro an einer Vernissage genoss ich plötzlich ein Fondue in der heimischen Stube auf dem Couchtischli zwischen seinen vielen Zeitungen. Statt zu einem Tennismatch lud er mich zu einem Spaziergang an den See ein – im Nebel. Ich fand ihn so unromantisch romantisch. Als Ge­schenk brachte er mir keine Blumen vorbei. Eines Tages packte er einen Beutel Erdnüssli aus. «Die magst du doch», wusste er.

Mein grosses Glück

Ich spürte, dass er mich wirklich kennenlernen wollte, mich und nicht mein Äusseres. Stand ich vor dem Spiegel, lachte er: «Lass es, du bist so wunderschön.» Ich nahm meine alten Jeans hervor und freute mich an unserem unbeschwerten Leben. Kanada war weit weg. Drei Jahre später heirateten wir und wurden Eltern. Wir genossen unsere Kinder, wir genossen unser Leben. Ich hatte den besten Mann gefunden, den man sich vorstellen konnte. Er blieb Zeit meines Lebens mein bester Freund und Vertrauter. Auf der Suche nach dem grossen Glück bin ich immer daran vorbeigelaufen. War es nun, weil ich zu hohe Ziele hatte, oder war es, dass ich durch mein Auftreten die falschen Männer ansprach? Vielleicht aber war es auch gut, dass ich so früh ein paarmal auf die Nase fiel, dadurch wurde ich plötzlich so bescheiden. Auch später habe ich noch ein paarmal gehört, dass mein Mann und ich rein äusserlich überhaupt nicht zueinander passen würden, innerlich aber waren wir seelenverwandt. Ralf ist nach dreissig Jahren Ehe an Krebs gestorben. Ich bin ihm sehr dankbar für die gute Zeit, die wir hatten.

Nacherzählt von: Lotty Wohlwend

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