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Einblicke

Beim Umzug auch gleich den Mann gewechselt

Beim Umzug auch gleich den Mann gewechselt

Ich (damals 35) wechselte meine Arbeitsstelle, und das brachte einen Wohnungswechsel mit sich. Beim Umziehen brauchte ich Unterstützung. Da ich meine Freunde nicht unnötig strapazieren wollte und zudem eh einmal unter der Woche frei hatte, engagierte ich eine Umzugsfirma.

Zu dritt fuhren sie vor und begannen sofort mit dem Abbau der Schränke und dem Abtransport der Möbel. Zwei Stunden später war die Wohnung leer und der Lastwagen startklar.

Vom Freund versetzt

Ausgemacht war, dass mein Freund mich während seiner Mittagspause vor der leeren Wohnung abholen und an den neuen Wohnort fahren sollte. Doch er kam nicht. Die Männer warteten noch eine Weile, dann fuhren sie, mit dem Hausschlüssel und der Adresse versehen, los. Der eine der Männer, sehr aufmerksam und besorgt, rief von unterwegs an. Als er hörte, dass ich noch immer wartete, organisierte er einen Fahrdienst.

Dieser brachte mich mit einer 40-minütigen Verspätung zur Wohnung. Ich war enttäuscht und wütend über meinen Freund, dass er mich ausgerechnet in diesem wichtigen Moment hatte sitzen lassen. Er war auch telefonisch nicht erreichbar.

Eine Wohnung zum Verlieben

Als ich in die Wohnung kam, war der grösste Teil der Möbel hochgetragen und hatte schon einen Platz gefunden. Freundlich erklärte der Mann mir, dass alles nur provisorisch sei und ich nun die definitiven Plätze bestimmen solle.

Er führte mich durch meine neue Wohnung und betonte ein um das andere Mal, dass jedes Möbelstück gerne nach meinen Wünschen umgestellt werden könne. Man hatte, um Zeit zu sparen und meine Rechnung nicht unnötig zu strapazieren, erste Vorarbeit geleistet. Ich fand die Männer unglaublich nett, vor allem den einen, der mir den Fahrdienst organisiert hatte, und machte einen Rundgang durch die Wohnung. Die Möbelstücke standen einfach perfekt, einzig einen kleinen Beistelltisch platzierte ich noch um. Alles andere liess ich stehen. Die Männer strahlten, ich noch mehr. Ich fühlte mich unglaublich wohl in den neuen vier Wänden.

So ein freches Verhalten

Ich lud sie nun alle zum Essen ein. Den Lieferservice hatte ich zuvor schon informiert, nun machte man sich auf den Weg. Eine halbe Stunde später sassen wir im Esszimmer am Tisch und genossen feinste mexikanische Fajitas.

Da ging die Wohnungstür auf und mein Freund stand da. Ohne eine Begrüssung oder gar eine Entschuldigung für sein Fernbleiben ging er durch die Räume und fand, solange die Männer noch da seien, sollen sie doch gefälligst so gut sein und mithelfen, die Möbelstücke umzustellen. Essen könne man ja auch noch später. Ich schaute ihn an, dann die Männer. Sein unsensibles Verhalten machte mich unglaublich wütend. Was war nur mit ihm los? Ich bat ihn, sich zu uns zu setzen, die Wohnung sei bereits eingerichtet. Mir gefalle es so. Er aber ging geradezu demonstrativ durch die Räume und hatte überall etwas auszusetzen.

Stimmung im Eimer

Ich fühlte mich hilflos in dieser verfahrenen Situation, zum einen wollte ich meinen Freund vor den drei Arbeitern nicht unnötig reizen, zum anderen aber fand ich sein Auftreten unmöglich. Ich spürte die mitleidigen Blicke der Männer, vor allem desjenigen, der mir geholfen hatte, und wurde noch wütender. Ich schämte mich für meinen Freund.

Der Zauber der neuen Wohnung war verflogen und der alte Mief breitete sich wieder aus.

Fass lief über

Ich war damals eher ruhig und zurückhaltend, mein Freund zeigte öfters ein forsches und sehr bestimmendes Auftreten. Diese Episode aber hatte irgendwie das Fass zum Überlaufen gebracht. Ich hatte genug und bat um eine Auszeit. Die Trennung war mit vielen Vorwürfen und unguten Gefühlen begleitet. Als der Trennstrich endlich gezogen war, schwor ich mir, mich nun erst einmal auf mich zu besinnen. Ich wollte am neuen Ort ankommen, neue Menschen kennenlernen und mich ganz in die Arbeit eingeben.

Wird Dreckwäsche gewaschen, bleibt immer etwas zurück: eine verletzte Seele nämlich. Vielleicht hätte ich nicht so lange warten dürfen. Sollte meine nächste Beziehung wieder schwer werden, so nahm ich mir vor, würde ich rascher handeln. Diese vielen Tränen, diese Ängste und diese stille Wut mussten nicht mehr sein.

So eine Arroganz

Die kleine Stadt, in der ich nun zu Hause war, war wie geschaffen für Kontakte. Die vielen Strassen-Cafés, die kleinen lauschigen Parks und der See machten es leicht rauszugehen, auch für mich als eher scheue Frau. Bald lernte ich Menschen kennen. Ich fühlte mich wohl und um nichts mehr hätte ich an den alten Wohnort zurückgehen wollen. Mein Ex-Freund tauchte noch ein paar Mal bei mir auf, er fand, dass ich alleine nicht lebensfähig sei. So eine Arroganz. Ich war es sehr wohl.

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Jetzt wird es kompliziert

Es ging nicht lange und ich verliebte mich in einen Arbeitskollegen. Er sah nicht nur bezaubernd aus, er war es auch. So freundlich und lieb. Ich war hin und weg und freute mich, als er mich zum Kino einlud. Wir wurden ein Paar. Im Haus lebte eine ältere Frau. Eines Tages musste sie sich einer Operation mit anschliessender Kur unterziehen. In dieser Zeit nahm ich ihren Cockerspaniel zu mir in die Wohnung. Zweimal im Tag machte ich mich mit dem Hund auf den Weg, um die Strassen und Ecken zu erkunden. Lustig war, dass diese Spaziergänge einem festen Ritual unterworfen waren, denn das Tier lief immer denselben Weg ab, pinkelte praktisch immer am selben Ort und war nur mit Mühe zu einer neuen Richtung zu bewegen.

Da lief ich «ihm» über den Weg, dem Mann nämlich, der damals so freundlich den Umzug organisiert hatte und mir eine gute Stütze gewesen war. Von da begegneten wir uns regelmässig.

Neue Freundschaft

Die Handynummern wurden ausgetauscht und wir begannen einander SMS zu schreiben. Wir wurden Freunde. Er begann mich ab und zu auf meinen Hunde-Gängen zu begleiten. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte es ewig so weitergehen können. Ich war zu der Zeit ganz schrecklich in den anderen verliebt, schätzte aber die Freundschaft und die guten Gespräche des «Umzug-Mannes» sehr. Bald einmal nannte ich ihn meinen besten Freund. Auf einem dieser Spaziergänge bekam ich einen Antrag, er wolle mit mir gehen, mich auf Händen tragen. Ich liess ihn abblitzen, ich hatte meinen Traummann gefunden und gehörte ihm mit ganzem Herzen.

War ich ihm egal?

Trotz allem, wenn auch etwas ruhiger, begleitete er mich weiterhin auf den Spaziergängen, auch SMS schrieb er mir ab und zu. Ich schätzte seine Kontakte sehr. Einmal im Monat lud er mich zum Essen ein. Mein Freund fand das absolut okay. Insgeheim war ich manchmal etwas frustriert, wie leicht er mich diesem Mann überliess. Er fragte nicht einmal, ob ich ihm treu sei. Er nahm es einfach an. Oder war es ihm ganz einfach egal?

Schöne Männer muss man teilen

Noch einmal machte der Umzug-Mann mir einen Antrag, ganz vorsichtig. Als ich abwinkte, liess er es sogleich bleiben. Er wäre mir auch nie zu nahe gekommen. Das schätzte ich sehr. Dann verliess mich mein Traummann von einem Tag auf den anderen. Ich war am Boden zerstört. Eine Kollegin fand, zu schöne Männer seien eine Bürde, zu rasch müsse man sie mit anderen Frauen teilen.

Ich war unendlich traurig, konnte kaum mehr essen und nahm beinahe zehn Kilo ab.

Ohne dass es mir richtig bewusst wurde, war «er» da, still und leise, ohne Vorwürfe zu machen oder Fragen zu stellen. Und hat mich da rausgerissen aus diesem Tief. Ich war ihm sehr dankbar und ich schätzte seine Nähe, seine Empathie und seine Ruhe. Er war einfach da für mich. Zeigte mir, was wahre Freundschaft war. Langsam begann ich ihn mit anderen Augen zu sehen und mich für ihn wirklich zu interessieren. Als er mir zum dritten Mal einen Antrag machte, habe ich JA gesagt.

Heute sind wir seit bald zehn Jahren verheiratet, und ich bin unendlich glücklich.

Nacherzählt: Lotty Wohlwend

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