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Einblicke

Feuer und Flamme – bis hin zum Meistertitel

Feuer und Flamme – bis hin zum Meistertitel

«Weisch no …», das höre ich in den letzten Jahren immer wieder. Dabei bin und fühle ich mich eigentlich noch gar nicht so alt. Ich bin 55 und habe nach über 20 Jahren wieder begonnen, Bowling zu spielen. Das ist wie Velo fahren, man verlernt es nie.

1989, als unsere Tochter geboren wurde, habe ich mein Motorrad verkauft. Das war ein einschneidender Schnitt: Meine Frau wollte aus Sicherheitsgründen nicht mehr mitfahren, sie war nun Mutter und trug Verantwortung für dieses neue Leben. Ja, und alleine machte mir das Fahren auch keinen Spass mehr. Ich spürte auch, dass man in jungen Jahren sehr viel risikobereiter ist. Und nun war da plötzlich ein kleiner Mensch, der dich und deine Fürsorge brauchte. Das machte was in mir drin, und ich wusste, meine Frau hatte Recht, Motorrad fahren war und ist einfach zu gefährlich.

Neue Faszination: Bowling

Und so ging es los mit dem Bowling. Mir gefiel das Kegeln schon immer. Mit meinen Freunden traf ich mich hin und wieder zum plauschmässigen Kegeln, und wir nahmen immer wieder an Wettbewerben teil. Wir spielten um Kränze. Als dann in unserer Stadt ein Bowling-Center eröffnet wurde, war für mich klar: Da musste ich hin! So trat ich den «BC Strangers» bei. Das war wie ein Virus, der mich plötzlich erfasst hatte. Bowling wurde meine neue Leidenschaft. Dreimal die Woche Training, an den Wochenenden Turniere in Lausanne, Basel und vielen anderen Orten. Manchmal sassen wir vier Stunden zu viert im Auto, jeder seine drei bis fünf Kugeln mit dabei. Ganz selbstverständlich rauchten wir im Auto. Heute unvorstellbar, allein vom Gedanken an den Qualm wird mir übel.

Schwere Sonntage

An den Samstagen fanden die Qualifikationsspiele statt und Sonntag die Finalspiele. Schieden wir aus, bedeutete dies jedes Mal einen frustrierenden Sonntag da­heim auf der Couch. Ja, damals war ich noch jünger und vielleicht auch etwas impulsiver. Klappten die Spiele nicht nach Wunsch, beschäftigte mich dies so, dass ich den ganzen Sonntag gestresst und nervös war. Heute schmunzle ich über diesen Eifer. Zum Glück waren diese schwierigen Sonntage die Minderheit. Ich spielte gut und schaffte es von der B- in die A-Kategorie.

Wie eine grosse Familie

1993 kam unser Sohn auf die Welt. Er hatte einen Herzfehler und musste operiert werden. Das nahm mich sehr mit. Zum Glück hatte ich das Bowling, das lenkte mich etwas von den Sorgen ab. Meine Kameraden sprachen mir Mut zu und unterstützten mich. Das gab mir Kraft und viel Energie. Wir waren eine gute, lustige Truppe unterschiedlichen Alters. Wir hatten einen guten Zusammenhalt. Waren keine Turniere, dann trafen wir uns mit unseren Familien zum Grillieren. Es war eine super Zeit. Und immer wieder unsere Trainings. Wir hatten etwas zu verlieren, unseren Platz in der A-Liga. Und so trainierten wir regelmässig und sehr intensiv.

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Und daheim?

Hier reihte sich in unserem Schlafzimmer mittlerweile Bowlingkugel an Bowlingkugel. Meiner Frau sagte ich nicht immer, wenn ich wieder mal eine neue kaufte und dafür eine andere eintauschte. Sie hätte wohl nur die Augen verdreht. Die Ausrüstung pflegte ich mit grosser Sorgfalt. Sie war eine Wissenschaft für sich. So hatte jede Bowlinghalle eine andere Ölung auf ihren Bahnen, und so reisten wir Spieler mit verschiedenen Kugeln an und konnten, wenn es nicht lief, auch mal auswechseln.

1996 endlich: Schweizer Meister!

Dann endlich zahlte sich unsere Mühe aus. Wieder waren Schweizer Meisterschaften angesagt, wieder unterzogen wir uns im Vorfeld einem harten Training, im Einzel wie in den Zweierteams und im Fünferteam. Ich war in Topform und wusste, ich spielte gut. Wir waren aufgeregt, aber voll motiviert. Ich war der sechste Mann, das hiess der Ersatzspieler. Dies war für mich ok, hatte ich so mental keine allzu grosse Last zu tragen. Ich konnte meine Teamkameraden motivieren und war locker drauf. Doch bereits am Samstag lief es nicht so gut für unser Team, ein Kollege brach kräftemässig ein und wir verloren rasch an Punkten. Die Nervosität nahm zu. Das war der Moment, als ich eingewechselt wurde.

Unendlich stolz

Ich war ja zu diesem Zeitpunkt frisch und unverbraucht und voll motiviert. Kugel um Kugel rollte nach vorn, Punkt um Punkt holten wir wieder auf. Und dann war es geschafft und wir am Ziel unserer Träume. Wir wurden Schweizer Meister! Was für eine Begeisterung! Was für ein Jubel! Und für mich die schönste Befriedigung zu wissen, dass ich wesentlich zum gelungenen Schluss beigetragen hatte. Wäre ich nicht zur Topform aufgelaufen, hätten wir keine Chance mehr gehabt. Ich war überglücklichWir alle waren überglücklich! Was für ein Traum: Schweizer Meister! Ich war unendlich stolz.

Ein neues Kapitel begann

Einige Jahre später kam der Zeitpunkt, wieder etwas Neues zu beginnen. Es hatte sich vieles verändert, beruflich, familiär und auch im Bowling. Ich spielte nicht mehr turniermässig, war nicht mehr im Verein, nur noch zum Plausch trafen wir uns zu viert zwei- bis dreimal die Woche zum Spiel. Dann kam das Jahr 2000: Unsere Kinder wurden älter und ich besann mich wieder auf eine andere Leidenschaft, die zum Motorrad. Ich kaufte mir wieder eine Maschine und lackierte sie neu. Ich leistete mir wieder eine neue Ausrüstung und startete zu kleineren wie grösseren Touren. So bin ich. Bei mir heisst die Devise immer: Alles oder nichts. Mehr als zehn schöne Jahre mit meinen Motorradkollegen begannen, viele spannende Touren und gute Treffen folgten. Wir hatten gute Freunde in Deutschland, in der Schweiz und trafen uns regelmässig zu Ausfahrten am Wochenende. Wir machten gemeinsam Ferien in Sardinien im Motorradparadies und pflegten den Kontakt über die Internetforen oder direkt bei Treffen in Deutschland oder der Schweiz. Ich war mit dem Motorrad in der Gruppe unterwegs, meine Frau folgte uns mit den Kindern im Auto. Diese Treffen waren toll, sehr familiär, sehr freundschaftlich und schön. Fast jedes Wochenende waren wir unterwegs. Kollegen gingen bei uns ein und aus, sogar mein 40. Geburtstag wurde zu einem eigentlichen Motorradfahrer-Happening. Von überall her kamen sie in die Ostschweiz gefahren, um zu feiern, sogar aus dem fernen Hamburg.

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Zu zweit unterwegs

Und wieder endete nach ein paar Jahren auch dieser Lebensabschnitt: Freunde heirateten, verkauften ihre «heissen Stühle», die Treffen wurden weniger und versandeten schliesslich ganz. Zeit, sich wieder etwas anderem zuzuwenden. Nun kam der Lebensabschnitt, in dem ich mich ganz auf meine Familie beziehungsweise auf meine Frau besann. Von nun an waren wir vor allem zu zweit unterwegs. Die Kinder waren nun grösser, gingen ihre eigenen Wege, und wir bereisten gemeinsam die Welt. Genossen Badeferien in Ägypten oder leisteten uns ausgedehnte Ferien in den USA, dazwischen immer mal wieder Ferien mit dem Motorrad in Sardinien. Meine Frau und ich gingen wandern, Ski fahren, Velo fahren, spazieren usw. und führten ein neues, anderes, aber ebenso schönes Leben.

2016 – wenn schon, denn schon

Wieder begann ein neuer Lebensabschnitt. 20 Jahre waren seit dem Schweizer-Meister-Titel vergangen. Über Facebook entdeckte ich meine Bowlingfreunde von damals. Wir begannen wieder zu kommunizieren. Die Freundschaft von damals lebte wieder auf, und plötzlich war sie wieder da, diese altbekannte Leidenschaft fürs Bowling. Irgendwann stand ich wieder in der Halle an der Bahn, um viele Jahre älter und reifer, begleitet von meiner Frau. Doch nun wollte ich es ruhiger angehen. Ich wusste, dass mein einstiger Verein, die «BC Strangers» noch trainierten, und ging hin. Der Geschmack, die Geräusche, die Atmosphäre, alles war wieder da! Ich fühlte eine grosse Zufriedenheit, die mich glücklich machte. Die «alten Kollegen«, von denen einige mittlerweile bereits pensioniert waren, wurden ergänzt durch junge Spieler. Ein spannender Mix. Es gab sie also noch, diese «Bowling-Familie». Sie spielten weiterhin mit Energie und Eifer, genauso wie wir früher. Und immer wieder hörte ich: «Weisch no…» Ich war begeistert, kaufte mir erneut die gesamte Ausrüstung. Ein paar Kugeln hatte ich ja noch im Keller, auch die Schuhe waren noch da.

Und heute?

Heute besitze ich wieder zehn Bowling­kugeln, für jede Situation die Richtige, zehn T-ShirtsIch sehe meine Frau, wie sie schmunzelt und die Augen verdreht. Es ist wieder alles wie früher, zweimal unter der Woche und am Sonntagmorgen besuche ich das Training. Ich bin wieder dabei wie eh und je, bin Feuer und Flamme! Nach dem Motto: «Wenn schon, denn schon!»

Noch einmal einen Meistertitel

2019: Es kam, wie es kommen musste. Meine Leidenschaft, mein Feuer für das Bowlen hatte mich wieder komplett erfasst, und ich schaffte noch einmal einen Titel: In unserer Bowling-Halle in Elsau/ZH wurde ich im Zweierteam in der Kategorie B Schweizer Meister. Ich habe trotz immer wiederkehrendem Bandscheibenvorfall und einem Fersensporn, der zum Glück zeitweise immer wieder wegging, diesen im Geheimen lang ersehnten Titel zusammen mit Sotirios Fotakis geholt. Nach langem intensivem Training – es geht ja nicht mehr so schnell wie dannzumal in jungen Jahren – obwohl ich ja erst 55 bin. Aber ich hatte es noch einmal geschafft, in Topform zu kommen. Immer wieder nagten an mir Zweifel. Konnte ich mich und meinen Körper noch einmal so in eine Topform trainieren? Wäre es nicht besser und gesünder, wenn ich das in meinem Alter sein liesse und das Leben etwas ruhiger nähme? Klar machte ich mir Gedanken, doch wenn ich dann während den Trainings spürte, wie gut es jeweils lief, dann waren für den Moment zumindest alle Zweifel wie weggeblasen.

Die Zukunft hat begonnen

Ich werde nun wegen meines guten Saisonschnitts in die Kategorie A aufsteigen und hoffe doch, dass ich noch weitere Erfolge haben werde. Vor allem einen 300er, das heisst bei jedem Schuss 12-mal alle 10 Pins weg, das fehlt mir noch. Ich kann einfach nicht ohne Träume leben. Meine alten Kollegen, die immer noch von der guten alten Zeit schwärmen, haben alle ihren «300er» gespielt, manche sogar gleich mehrere. Ich aber habe noch etwas Zeit, bin noch nicht wie sie 70 plus. Das heisst, wenn ich nun, wie es in meinem Leben bisher üblich war, in zehn Jahren mein Hobby noch einmal für zehn Jahre wechsle, dann könnte ich rein theoretisch mit 70 ins Kader «70 plus» einsteigen und noch einmal so richtig loslegen. Ja, wer weiss.

Wenn ich noch einmal …

So viele Lebensabschnitte habe ich erlebt, so viele Interessen gepflegt, und ich spüre, das Leben ist ein stetiger Wandel. Nun bin ich 55 Jahre alt, seit 31 Jahren verheiratet und Nonno geworden. Jetzt freue ich mich auf mein letztes Drittel in meinem Leben. Ich bin gespannt, was noch kommen wird, und freue mich darauf.

Svend Wirz, Will

Kleine Schwester Menorca

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