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Einblicke

Ich muss hinaus in die weite Welt

Ich muss hinaus in die weite Welt

Ich heisse Susanne, bin 1941 im Appenzellerland aufgewachsen und war von Beruf Krankenschwester. Während meiner Ausbildung besuchte ich regelmässig die Proben eines Chors. Sie waren für mich eine Möglichkeit, mich ausserhalb des Spitalcampus mit der Stadt und ihren Menschen vertraut zu machen. Ich kannte niemanden und ich fühlte mich sehr alleine. Auch im Personalhaus fühlte ich mich anfänglich sehr fremd. Das Haus war düster und kahl, die unregelmässigen Arbeitszeiten verhinderten viele Kontakte.

War es vor allem der Kontakte wegen, so wurden mir die Proben auch des Singens willen immer lieber. Die Chormitglieder nahmen mich herzlich auf. Das gemeinsame Singen, das anschliessende «Zämehöckle» im Restaurant tat mir und meiner Seele gut. So liessen sich die Ausbildung und die vielen Prüfungen gut meistern. Und doch vermisste ich meine Familie, ich vermisste die Tiere auf unserem Hof und das Grün der Natur.

Markus, mein Traummann

Sogar, als ich meine Ausbildung in einem anderen Spital fortsetzen musste, schaute ich, dass ich die Dienste so legen konnte, dass ich die Proben besuchen konnte. Während dieser Zeit lernte ich Markus kennen. Er war ein junger Lehrer und begleitete den Chor als zweiter Pianist. Ich war fasziniert von seiner liebenswerten und feinen Art. Dann kam dieser Auftritt im Allgäu. Der Chorleiter mietete einen Reisebus, und während dieser vierstündigen Fahrt sass ich neben Markus. Als ich vor Ort ausstieg, wusste ich: Das war mein Mann fürs Leben. Von da an waren wir unzertrennlich. Hatten wir gemeinsam frei, waren wir unterwegs, wanderten, fuhren an den nahen See, schwammen viel oder fuhren Rad. Die Beziehung war geprägt von einem sehr liebevollen warmen Umgang. Es fiel kein böses Wort. Wir hatten viele Gemeinsamkeiten und waren beide Leseratten, wie man so schön sagt. Stundenlang konnten wir uns in unsere Bücher vertiefen, vergas­sen Raum und Zeit. Die vielen Gemeinsamkeiten machten es uns einfach, sodass wir uns bereits ein Jahr später im Kreise der Familie verlobten. 

Brav und bescheiden

Von Heirat aber sprachen wir noch nicht. Wir wollten noch Erfahrungen sammeln, Markus hatte noch einen Fremdsprachenaufenthalt in Toulouse vor sich. Während ich die Zeit hier in der Schweiz verbringen würde, um mich als Operationsschwester weiterbilden zu lassen.

Ein Zusammenwohnen kam in jenen Jahren noch nicht infrage, zum einen unserer katholischen Elternhäuser, zum anderen auch der Finanzen wegen. Wir legten, was wir hatten, auf die «hohe Kante», und ich wohnte derweil brav und bescheiden im Schwesternhaus, Markus bei seinen Eltern oder je nach Stelle auch in einem Zimmer.

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Neue Horizonte

Vier Jahre waren wir so zusammen, ich wurde nun 23 Jahre alt und Markus würde in wenigen Wochen aus Toulouse zurückkommen.

Dann gab es einen Marschwechsel. Markus schrieb mir aus Toulouse eine Karte, dass er die Stelle im Rheintal nicht wie geplant antreten werde, er habe ein sehr gutes Angebot in Bern bekommen. Ich verstand nicht, liess ihn aber ziehen, vertrauend auf unsere gemeinsame Zeit. Noch war meine zweite Ausbildung nicht ganz abgeschlossen, doch im Stellenanzeiger suchte ich bereits eine mögliche Arbeit im Raum Bern. Es war Markus, der mir riet, mich noch nicht in Bern umzusehen. Er müsse sich sicher sein, vielleicht führe ihn der Weg wieder zurück in die Ostschweiz. Ich besuchte ihn, wann immer es möglich war. Doch das war von nun an schwer. Markus war nicht nur beruflich, sondern auch sportlich so engagiert, dass für uns immer weniger Zeit blieb.

Ich vertraute, hoffte und wartete …

Dann kam die Karte, in der er sich verabschiedete. Es ziehe ihn in die Welt hinaus, er müsse gehen, die Welt hier sei ihm zu eng, er könne sich noch nicht binden und wolle es auch nicht. Er sei zu jung dafür.

Den Platz verloren

Ich war am Boden zerstört, traurig und enttäuscht. Meine ganze Zukunft brach zusammen wie ein Kartenhaus. So unvermittelt. So unwiderruflich. Markus ging nach Frankreich. Später erfuhr ich über seine Schwester, dass er nun in England lebte. Von seiner Seite her kam nie mehr eine Karte, kein Zeichen, kein Gruss. Seine Adressen blieben mir unbekannt, einzig noch an seinem Geburtstag blieb mir, an der Türe seiner Eltern ein Geschenk abzugeben. Traurig nahm es seine Mutter in Empfang. Lud sie mich anfänglich noch zu einem Kaffee ein, fertigte sie mich mit vielen Entschuldigungen nun unter der Türe ab. Ich spürte, ich war nicht mehr genehm, hatte den Platz in dieser Familie verloren. Das tat weh.

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Unbeschreiblich schwer

Irgendwann nahm mich seine Schwester zur Seite und sagte: «Warte nicht mehr auf Markus. Er hat seinen Platz gefunden.» Und so erfuhr ich, dass er bereits in der Zeit in Toulouse eine Frau aus England kennengelernt hatte und sie nun heiraten würde. Diese Leere, diese Schwere, dieses Leben ohne Zukunft … Ich will diese Jahre nicht beschreiben. Ich zog mich zurück, ging zur Arbeit, aber diese tiefe Lebensfreude war verschwunden. Ich hatte so auf ihn gezählt.

Es brauchte lange, bis ich wieder unter die Menschen gehen konnte, es brauchte viel Zeit, bis ich mich wieder dazu aufraffen konnte, andere zu besuchen. Ich nahm wieder die Proben im Chor auf und versuchte, mein Leben neu zu organisieren.

Wie weiter?

Eine Männerfreundschaft war nur von kurzer Dauer. Nein, ich wollte keine Dienstmagd sein, ich wollte eine Gemeinschaftlichkeit spüren. Mit jeder Bekanntschaft spürte ich, wie sehr mir Markus fehlte. An jedem hatte ich etwas auszusetzen. Der eine war mir zu vergeistigt, der andere zu plump. Einer zählte mir schon beim ersten Kaffee auf, was er an den Frauen möge und was nicht. Vor allem während meiner Arbeit bekam ich viele Angebote. Es schien den Männern damals ein Gewinn zu sein, eine Freundin mit Ausbildung Krankenpflege zu haben. Immer wieder war ich es, die auf die Bremse trat. Nein, das war es nicht.

Es geht auch ohne

Geh weg, verlass die Gegend und schau dich anderweitig um, riet mir meine Schwester. Längst waren nun, bis auf mein jüngster Bruder, alle meine Geschwister verheiratet und hatten Familie. Ich war nun sechsfache Gotte und wurde immer und gerne zu den Festen eingeladen. Zusammen mit einer Freundin, die ihre Kinder bereits grossgezogen hatte und Witwe war, begann ich zu reisen. Es zog mich vor allem in den hohen Norden, einzig England liess ich aus. Ich schaffte es nicht, dieses Land zu bereisen. Beruflich wurde ich nun aktiver, nahm spannende Stellen an, war über Jahre hinweg in einer sehr anspruchsvollen Position.

Mein erfülltes Leben

Ich kaufte mir ein schönes altes Haus, begann es zu renovieren beziehungsweise liess es renovieren, Tiere bevölkerten das Haus, viele Menschen, aber eine Partnerschaft hat sich nie mehr ergeben. Zumeist, weil ich Vorbehalte hatte. Heute, im Alter, denke ich, es war gut so, wie es war. Ich hatte keine eigenen Kinder, aber ich war für viele Kinder und junge Menschen Schlummermutter und Tante zugleich. Meine Nichte hat das Haus nun zusammen mit ihrer Familie übernommen. Wir wohnen zusammen und ich habe hier das Wohnrecht auf Lebenszeit. Eine wunderbare Situation, für die ich sehr dankbar bin.

Gesundheitlich geht es mir sehr gut. Ich bin zufrieden und habe rückblickend ein sehr schönes Leben gelebt. Ich hatte mir mein Leben so eingerichtet, wie es für mich in Ordnung war. Markus traure ich längst nicht mehr nach. Ich habe mein Leben gelebt. Ich bin mit mir im Reinen, und wenn ich meine vielen Freundinnen anschaue, bin ich heute auch froh, nicht in einer Kurzschlussreaktion geheiratet zu haben. Viel Leid ist mir vielleicht so erspart geblieben.

Nacherzählt: Lotty Wohlwend

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