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Gesundheit

Wenn der Storch zubeisst

Wenn der Storch zubeisst

Der Klapperstorch ist wohl die bekannteste Ausrede für die schönste Nebensache der Welt und ihre Konsequenzen. Jedes zweite Kind kommt mit einem Storchenbiss auf die Welt. Grund genug, den Mythen und Geschichten rund um den Storch auf die Schliche zu kommen.

Glücklicherweise haben sich die Zeiten geändert und die Kinder wissen heute früh, wie sie zur Welt kamen. Doch es ist noch gar nicht so lange her, da wurden die Themen Sexualität und Geburt vor Kindern möglichst lange verborgen. Es entstanden verschiedene Geschichten darüber, woher die Babys kämen. Die Geschichten und Mythen rund um den Klapperstorch halten sich bereits seit über 300 Jahren. 

Ein Bündel im Schnabel

Am beliebtesten ist folgende Version: Der Klapperstorch trägt mit seinem Schnabel vorsichtig ein Baby im Bündel und legt es vor die Tür eines Paares, dass sich sehnlichst ein Kind wünscht. Wer sich ein Kind wünschte, legte also einfach ein Stück Würfelzucker für den grossen Vogel auf das Fensterbrett. Noch heute wird diese Vorstellung gerne benutzt für Filme, Werbung oder als Motiv auf Geburtskarten.

Vom Storch ins Bein gebissen

Im Mittelalter war «des Mannes Storch» eine der vielen Umschreibungen für das männliche Glied. Damals biss der Storch eine Frau ins Bein, was als Synonym für den Geschlechtsverkehr stand. Nach dem Biss musste sich die Mutter ins Bett legen, und kurz darauf brachte ihr der Storch ihr Neugeborenes. 

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Babys aus dem Brunnen

Früher glaubte man, dass die Seelen ungeborener Kinder im Wasser von Teichen oder Brunnen auf ihre Geburt warten und von einem Storch dann zu ihren Eltern gebracht werden. Fast jede Familie hatte damals hinter ihrem Haus einen Brunnen. Der Brunnen ist in vielen Märchen ein Symbol für das werdende neue Leben, ganz deutlich im «Froschkönig». Der Frosch, der im Schloss wohnen, vom Teller der Prinzessin essen und bei ihr im Bett schlafen will, symbolisiert das Baby.

Warum ausgerechnet der Storch?

Dazu gibt es unterschiedliche Erklärungen. Versetzt man sich ein paar Jahrhunderte zurück, wird einiges klar. Das «auserwählte» Tier musste heimisch, vertrauenswürdig und sanft sein. Es musste eine gewisse Grös­se haben, um ein Kind tragen zu können. Sämtliche exotische Tiere, wie der Elefant oder das Känguru, waren bis dahin kaum bekannt. Vor Bären und Wölfen fürchtete man sich und hätte ihnen wohl kaum ein Kind anvertraut. Rehe und Hirsche bewegten sich nur in begrenzten Lebensräumen. Die meisten Vögel waren zu schwach – bis eben auf den Storch. Zudem hält er sich gerne in der Nähe der Menschen auf.

Adebar – der Glücksbringer

Der Storch hat viele Namen: Klapperstorch, Langbein, Stelzbein, Knickbein, Heilebart, Hoierboer und Adebar. Sein Spitzname «Adebar» setzt sich zusammen aus dem althochdeutschen «Auda», was Glück bedeutet, und der Endsilbe «bar», was bringen oder tragen bedeutet. Adebar bedeutet also: der Glücksbringer. Weissstörche galten schon jeher als Symbol für Glück. 

Störche sind Zugvögel und verbringen den Winter normalerweise in Afrika. Ihre Rückkehr im Frühling wird mit neu erwachtem Leben verbunden. Zudem watet er gern durchs Wasser, Symbol für Fruchtbarkeit und ungeborenes Le­ben. So entwickelte sich vermutlich die Vorstellung, dass Störche auch menschliches Leben überbringen.

Störche sind liebevolle Eltern

Eine weitere Theorie, warum der Storch gern mit dem Thema Geburt verbunden wird, liegt an ihrer Lebensweise. Haben die stolzen Vögel einmal ihren richtigen Partner gefunden, bleiben sie ein Leben lang monogam und ziehen Jahr für Jahr liebevoll ihren Nachwuchs auf. Werden die Eltern älter und verlieren an Kraft, kümmern sich die jüngeren Tiere um ihre Eltern. Dieses Verhalten beeindruckte bereits die Menschen in der Antike. So gab es bereits im alten Rom das sogenannte Storchengesetz, das Kinder dazu verpflichtete, sich um ihre Eltern im hohen Alter zu kümmern. 

Wasser – Ursprung des Lebens

Wasser ist ein entscheidendes Symbol in der Geburtsmythologie. Einst glaubte man, dass die Seelen der ungeborenen Kinder im Wasser wohnten. Wasser gilt als Ursprung für neues Leben. So weit hergeholt ist das gar nicht, wenn man bedenkt, dass Neugeborene vor der Geburt im Fruchtwasser leben.

Darauf basiert auch die Auffassung, dass der Storch die Kinder aus dem Brunnen holt. Auch in der alttestamentarischen Geschich­te wird das Mo­seskind von der Königstochter aus dem Nil gezogen und adoptiert.

Der Frosch – ein Fruchtbarkeitssymbol

Der Storch ist gern im Wasser, in der Quelle des Lebens. Besonders gern hat er allerdings die Frösche aus dem Wasser. Der Frosch galt im Mittelalter als Fruchtbarkeitssymbol. In Ägypten hatte die Geburtsgöttin die Gestalt eines Frosches. Eine weitere Theorie basiert auf einer Sage, die im Mittelalter in Holz geschnitzt wurde und von Störchen mit Fröschen im Schnabel handelt. Die grob geschnitzten Frösche hatten eine verblüffende Ähnlichkeit mit Neugeborenen.

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Storchenschnabel

Eine weitere Theorie lässt vermuten, dass nicht eigentlich der Storch als Tier gemeint ist, sondern der Storchenschnabel, eine Pflanze. Sie ist weit verbreitet und hat meist rosa- bis lilafarbene Blüten. Neben ihrer entzündungshemmenden Wirkung soll das Heilkraut auch helfen, ersehnte Kinderwünsche zu erfüllen. Bis heute ist diese Wirkung allerdings nicht vollständig nachgewiesen.

Storchenbiss

Rund jedes zweite Neugeborene kommt mit einem Storchenbiss auf die Welt. Dabei handelt es sich um eine Sonderform des Feuermals. Der blassrote, unregelmässige und gutartige Hautfleck sitzt vorwiegend im Nacken oder Gesicht. Er ist völlig harmlos und verschwindet meist in den ersten Lebensjahren von alleine. In der Fachsprache wird der Storchenbiss Naevus simplex genannt. Die Vorstellung, dass der Storch das Baby am Nacken packt, hat ihm in der Umgangssprache den Namen «Storchenbiss» eingebracht. Tritt der Fleck an der Stirn, den Augen oder der Nase auf, spricht man auch gerne vom «Engelskuss».

So entsteht der Storchenbiss wirklich

Die Rötung entsteht durch geweitete kapillare Blutgefässe unter der Haut. Der funktionellen Gefässerweiterung liegt eine Entwicklungsverzögerung zugrunde. An der betroffenen Hautstelle ist die Versorgung der Blutgefässe mit Nerven, die den Gefässdurchmesser regulieren, noch nicht vollständig ausgebildet. Die genaue Ursache dafür ist allerdings noch unklar. Er wird weder vererbt noch sind äussere Faktoren in der Schwangerschaft dafür verantwortlich.

Fränzi Holweck

Ich muss hinaus in die weite Welt

Ich heisse Susanne, bin 1941 im Appenzellerland aufgewachsen und war von Beruf Krankenschwester. Während meiner Ausbildung besuchte ich regelmässig die Proben eines Chors. Sie waren für mich eine Möglichkeit, mich ausserhalb des Spitalcampus mit der Stadt und ihren Menschen vertraut zu machen. Ich kannte niemanden und ich fühlte mich sehr alleine. Auch im Personalhaus fühlte ich mich anfänglich sehr fremd. Das Haus war düster und kahl, die unregelmässigen Arbeitszeiten verhinderten viele Kontakte.

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