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Natur

Wer studiert hier wen?

Wer studiert hier wen?

Hunde manipulieren uns gezielt, um zu bekommen, was sie wollen.

Wenn Maja sich auf den Rücken rollt und alle Viere von sich streckt, weiss Frauchen Anna ganz genau: Jetzt ist «Schmusezeit». Auf diese Art erbittet Maja ihre Streicheleinheiten, so wie die meisten Hunde dies tun. Auch den berühmten «Dackelblick» setzen Vierbeiner ein, um einen Happen vom Sonntagsbraten abzukriegen. Der treue Blick, oft untermalt mit der Pfote oder dem Kopf auf dem Bein des Bratenbesitzers, wird bewusst eingesetzt, weil Hunde gelernt haben, dass wir diesem Blick kaum widerstehen können. So landet das eine oder andere leckere Bratenstück nach dem Einsatz des Dackelblicks in Hundemäulern. Ausser Menschenaffen und Hunden benutzen nur wenige Tiere be­stimmte Arten von Gesten, um eine Botschaft ohne Worte zu kommunizieren. Wissenschaftler der University of Salford in England wollten es jetzt genauer wissen. Die Forscher nahmen hunderte Videos von 37 Hunden in England auf, die mit ihren Besitzern interagierten. Dabei fanden sie heraus, dass die Hunde 19 Gesten benutzen, um zu bekommen, was sie wollten. Die häufigsten Aufforderungen sind, wie nicht anders zu erwarten war: Gib mir was zu fressen / trinken; öffne die Tür; kraul mich und last but not least: spiel mit mir. Oft kombinieren die Hunde dabei Teile ihres Gestenrepertoires, damit der Mensch auch wirklich versteht, was sie wollen. Die Studie bewies dadurch, dass auch Arten ausserhalb des Primatenstammbaums in der Lage sind, eine Bitte auszudrücken, die durch ein Objekt oder ein Körperteil übermittelt wird. Das bedeutet ebenso, dass die Gesten vorsätzlich ausgeführt werden. Bislang ging man davon aus, dass Hunde nicht gezielt kommunizieren können, sondern wir nur ein wenig zu viel in ihre unabsichtlichen Gesten hineininterpretieren.

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Übernehmen Hunde die Weltherrschaft?

Es ist schon faszinierend, was Hunde im Laufe der Jahrtausende über uns Menschen herausgefunden haben, und denkt man genauer darüber nach, könnte einem, scherzhaft gemeint, ein wenig angst und bange werden. Hunde handeln also be­wusst, sie manipulieren uns gezielt, um zu bekommen, was sie wollen. Man könnte meinen, sie entwickeln sich langsam, aber sicher zu hinterlistigen und durchtriebenen Tieren, statt weiterhin treu und loyal an der Seite des Menschen zu leben. Welche Folgen hat das auf unser Zusammenleben mit Hunden in den nächsten Jahrtausenden? Übernehmen Hunde irgendwann die Weltherrschaft? Wohl kaum … Auch wir modernen Menschen haben ein Ur-Bedürfnis nach innigen Beziehungen, so auch nach einer sozialen Verbindung mit Hunden, die uns bereits seit 35 000 Jahren auf dem langen Weg der Menschheits­entwicklung begleiten. Der Hund half dem Menschen auf der Jagd und beschützte ihn und bekam dafür Nahrung und Schutz in der Menschengemeinschaft. Die Aufgaben der Hunde veränderten sich zwar im Laufe der Zeit, sind jedoch nicht weniger wichtig für uns geworden. Heutzutage sind Hunde unsere Begleiter, unsere Freunde, und sie helfen uns, emotional ausgeglichener zu leben, indem sie auf uns eingehen und sich hervorragend anpassen. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass Hunde im Laufe der Zeit gelernt haben, mit uns zu kommunizieren. Um sich verständlich zu machen, entwickelten Hunde eine erstaunlich differenzierte Lautsprache, Mimik und Gestik. Der Mensch hingegen blieb irgendwann auf dem gemeinsamen Weg stehen oder stand zumindest eine Weile lang im Stau. Erst jetzt fangen wir langsam an, Hunde zu verstehen.

Wer studiert hier wen?

Hunde haben sich demnach in der Kommunikation mit Menschen etwas schneller entwickelt als wir mit ihnen. Durch Beobachtung, Intelligenz und einen gewissen Grad an Opportunismus haben sie einen Weg gefunden, mit uns zu kommunizieren. Und dieses Wissen geben sie ohne Studien und Experimente an die folgenden Generationen weiter. Wir Menschen hinken dieser Entwicklung etwas hinterher, weil wir unseren vierbeinigen Partnern eine solch hohe Intelligenz gar nicht zugestehen wollten oder konnten. Damit klärt sich wahrscheinlich auch die Frage, warum manche Hunde sich nicht wirklich an ihren Menschen orientieren. Erst seit wenigen Jahrzehnten befassen sich Forscher eingehender mit Haushunden, und fast täglich werden neue Erkenntnisse gewonnen und veröffentlicht. Also bleibt uns Menschen nur eines: Tun wir es den Hunden gleich und beobachten sie, um sie besser zu verstehen und einzuschätzen. Dann steht einer vertrauensvollen Partnerschaft in den nächsten Jahrtausenden bestimmt nichts mehr im Wege.

Anne Weber,
dipl. Tierpsychologin (Verhaltenstrainerin),
www.thewalkingdog-weber.ch

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