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Ratgeber

Alles eine Frage des Standpunkts

Alles eine Frage des Standpunkts

Menschen werden immer älter, Frauen noch älter als Männer. Doch wann ist ein Mann eigentlich alt oder zumindest älter? Und sollte man dazu eher Männer befragen oder Frauen? Und lässt sich «das Alter» überhaupt bestimmen? Oder ist man eben genau so alt, wie man sich fühlt?

Eines vorab ist klar. Befragen Sie nie einen Jugendlichen. Für einen Jugendlichen ist ein gut 30-Jähriger alt und ein gut 40-Jähriger gehört bereits zu den «Gruftis». Wobei sich der Grufti locker zum «Obergrufti» oder «Megagrufti» steigern lässt. Der Fantasie der Jugendsprache sind hier kaum Grenzen gesetzt, allerdings hofft man mit Sicherheit vergebens auf eine einigermassen nette Einschätzung. Da beruft man sich doch eher auf das Schweizer Vereinswesen, etwa Schützen- oder Turnvereine, da gibt es Veteranen (eher älter), Kantonalveteranen (noch älter), Schweizer Veteranen (ziemlich uralt) und Ehrenveteranen (richtig uralt). Wobei die Vereinspräsidenten, die dereinst vielleicht das Glück haben, bei ihrem Abschied zu Ehrenpräsidenten gekürt zu werden, hier sicherlich vehement widersprechen würden, denn das Schweizer Veteranentum hat nichts mit dem tatsächlichen Alter zu tun, sondern vielmehr mit der Länge der Vereinszughörigkeit. Aber nach 50 Jahren im Männergesangsverein «Himmelchörli» kann sich dennoch niemand mehr als Jungspund bezeichnen.

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Das Alter kann ganz einfach abgefragt und so kalendarisch oder auch mathematisch genau bestimmt und auf einer Zeitachse, die bei null beginnt, eingetragen werden. Das subjektive Alter indessen hat wiederum zwei Aspekte: nämlich jenen, wie fit man sich selbst fühlt, die sogenannte Selbsteinschätzung, und jenen, wo das Umfeld einen einordnet, also die Fremdeinschätzung. Dazu gibt es noch eine ganze Menge neuer Definitionen, etwa jene, die «Digital Natives» (also die Generation nach 1980, die praktisch mit dem Computer und später dem Smartphone aufgewachsen ist) jener der «Digital Immigrants» gegenübersetzt, einer Generation, die analog zum Mann gereift ist und so fremdartige Dinge wie Computer oder Internet erst im Erwachsenenalter kennengelernt hat.

Sprache hilft wenig

Wo also ansetzen, wenn wir wissen wollen, ob ein Mann eben «schon älter» oder richtig alt ist? Auch hier hilft die Sprache eigentlich nur wenig weiter. Wenn eine junge Frau von ihrem Vorgesetzten im Büro erzählt und meint, er sei halt schon «ein wenig älter», dann kann das ab 45 oder 50 Jahren schon losgehen. Wenn wir hingegen von einem «älteren Herrn» erzählen, dann erscheint das Bild eines gut gekleideten, gepflegten richtig alten Mannes vor unseren Augen. Ganz anderes verhält es sich mit dem «alten Herrn», damit ist in der Regel der eigene Vater gemeint. Unter «die Alten» versteht man weitläufig die Pensionierten ganz generell. Also ganz schön schwammig, wenn man die Begrifflichkeit zu Hilfe zieht.

Viele Studien zielen heute darauf ab, dass die neuen Alten die neuen Jungen sind. Sprich: Die heute 70-jährigen Männer sind die 50-Jährigen von gestern. Fit, voll im Saft, unternehmenslustig. Und in der Regel auch nicht allzu schlecht betucht, keiner Generation vorher ging es – in der Breite betrachtet – besser als den heutigen Rentnern. Kein Wunder, hat die Werbung die Generation 60+ schon lange im Visier, seien das nun Angebote im Sportsektor oder Wellness, Ferien und Freizeit, Kurse, Weiterbildung – etwa in Sprachen – oder auch Mode. Und natürlich – nicht nur besonders wichtig, sondern auch durchaus lukrativ – in Sachen Gesundheit.

Frage der Einstellung

Man kann sich der Sache von etwelcher Seite her nähern, die Antworten sind immer verschieden und offensichtlich eine Frage des Standpunktes. Ein älterer Mann, man denke hier an das Beispiel mit dem Büroklatsch, kann 45 sein. Gehört er zu den jungen, neuen Alten, dann geht auch ein sportlicher 75-Jähriger als Älterer durch. Insofern muss der alte Mann nicht nur ein gewisses Alter bereits erreicht haben, sondern fast schon auch gewisse sichtbare oder spürbare Gebrechen aufweisen, um mit dem Status «alt» beschrieben zu werden. Dafür kann dem alten Mann, durchaus in einer nebulösen Verklärung geschichtlicher und literarischer Traditionen, der Begriff der Weisheit zugeordnet werden, was wiederum nicht zwangsläufig der Wahrheit zu entsprechen hat, denn auch langjährige Erfahrung bringt nicht automatisch Weisheit hervor.

Alt oder älter? Die Frage lässt sich nicht schlüssig beantworten. Vielleicht ist tatsächlich doch die Einstellung, wie alt Mann sich fühlt, die richtige. Aber nochmals: Fragen Sie nie einen Jugendlichen, wie er sie einschätzen würde. Sonst laufen Sie so oder so noch gleichentags als «Grufti» nach Hause.

Roland Breitler

Kleine Schwester Menorca

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