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Ratgeber

«Er muss nicht wie George Clooney aussehen»

«Er muss nicht wie George Clooney aussehen»

Paar- und Familientherapeut Henri Guttmann

Wenn die rosarote Brille den Blick nicht mehr verschleiert und in der Beziehung Konflikte und Kritik statt Geborgenheit und Wärme vorherrschen, kann die Liebe leicht versanden. Welche Warnsignale es gibt, dass die Beziehung in die falsche Richtung läuft, wie Paare wieder zueinanderfinden und ob Frauen aus anderen Gründen fremdgehen als Männer, erklärt der Paar- und Familientherapeut Henri Guttmann.

Haben Sie schon einmal Paare heimgeschickt, weil nichts mehr zu machen war?

Ich habe einem Paar empfohlen, sich an einen Mediator zu wenden, der ihnen hilft, eine faire Trennung einzufädeln.

Welche Probleme führen Paare zu Ihnen in die Therapie?

Das ist sehr unterschiedlich. Es kommt häufig vor, dass die Liebe im hektischen Alltag versandet ist. Da können bereits fünf Paartherapiesitzungen Wunder wirken. Ein weiterer Grund sind unterschiedliche Bedürfnisse nach Sex und Zärtlichkeit. Es kommen auch Paare, bei denen eine Person sich fremdverliebt hat, die aber trotzdem zusammenbleiben möchten.

Was raten Sie den jeweiligen Paaren?

Wenn die Liebe versandet ist, rate ich den Betroffenen, mindestens fünf Sitzungen am Thema zu arbeiten und sich damit zu beschäftigen, woran es liegt. Gibt es berufliche Gründe, ist man wegen der Kinder zu erschöpft…? Es wird eine Auslegeordnung gemacht und dann dementsprechend geschaut, wie die Beziehungsflamme wieder zum Brennen gebracht werden kann.

Bei Paaren mit unterschiedlichen Bedürfnissen nach Sex muss eruiert werden, was die Ursachen sind, das ist bei allen Paaren individuell. Wenn eine Person sich fremdverliebt hat, ist in der Regel einer der Partner sehr verletzt und gekränkt. Dann helfen grosse Ehrlichkeit und Offenheit, um einen Weg zu finden, wie konstruktiv damit umgegangen werden kann.

Was macht Paare glücklich?

Die Frage habe ich in den letzten Tagen verschiedenen Paaren gestellt und bekam unterschiedliche Antworten: das Gefühl, sich vom andern verstanden zu fühlen, Geborgenheit in der Beziehung, sich nach einem Streit wiederfinden, gemeinsame Naturerlebnisse.

Was gibt es für Warnsignale, dass die Beziehung in die falsche Richtung läuft?

Da gibt es ganz viele, leise Signale, die leider oftmals nicht wahrgenommen werden: keine Zeit mehr für gemeinsame Unternehmungen, Missverständnisse im Alltag häufen sich, Zärtlichkeit und Sexualität werden vermieden, Gespräche enden ohne Lösungen, und beide sind dann sauer. Wenn Frauen zickig und Männer schweigsam werden, dann ist höchste Alarmstufe rot.

Die Beziehung hat noch Zukunft oder ist nicht mehr zu retten. Wann merken Sie als Therapeut, ob noch etwas zu machen ist?

Damit mit einem Paar gearbeitet werden kann, muss bei beiden noch ein Hoffungsflämmchen brennen. Die Hoffnung, miteinander einen gemeinsamen Weg zu finden mithilfe der Paartherapie. Wenn aber zum Beispiel die Frau schon längst innerlich abgeschlossen hat, kann sich das Paar die teure Therapie sparen. Oft merken die Frauen ja früher, wenn es in der Beziehung nicht mehr stimmt, und möchten in eine Beratung. Wenn der Mann dann dauernd ausweicht, ist es irgendwann zu spät. Übrigens, wenn Frauen für eine Paarberatung anrufen, ist es meist prognostisch besser, weil die Männer erst anrufen, wenn die Frau schon seit drei Monaten einen Lover hat.

Wie wichtig ist Treue?

In unserer Gesellschaft bedeutet gegenseitige Treue sehr viel. Jedes Paar muss aber für sich entscheiden, wie es damit umgehen möchte. Wichtig ist, dass sich das Paar mit dem Thema auseinandersetzt und sich fragt, wie sie beide damit umgehen würden, falls sich jemand versehentlich verlieben würde.

Wie oft kommen Paare zu Ihnen, weil jemand von beiden fremdgegangen ist?

Das kommt sehr häufig vor. Die meisten Paare möchten allerdings zusammenbleiben und suchen Unterstützung, wie Vertrauen wieder aufgebaut werden kann. Das braucht Zeit und ist ein Prozess, der sich bei den meisten Paaren lohnt.

Was sind die Gründe fürs Fremdgehen?

Frauen gehen fremd, wenn sie sich einsam fühlen in der Beziehung. Männer, wenn sie sich nicht mehr bewundert fühlen.

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Ist das nicht etwas gar stereotyp?

Das mag stereotyp klingen. Es ist aber meine Erfahrung aus 20 Jahren Beratung. Wissen Sie, wenn ich Frauen frage, warum sie fremdgehen, sagen sie oft ganz einfach: «Er hat mir zugehört.» Das wäre eigentlich einfach. Er muss nicht aussehen wie George Clooney. Er muss nur zuhören.

Sollte man einen Seitensprung beichten?

Einen One-Night-Stand sollte man für sich behalten, wenn ein Kondom benutzt wurde und er auch sonst keine grössere Bedeutung hatte. Eine Affäre, die länger geht, und eine Aussenbeziehung sollten unbedingt mit dem Partner besprochen werden, sonst ist es unfair.

Beides zugleich mit einer Person zu haben, Sicherheit und Leidenschaft, ist auf Dauer nicht möglich?

Leider ist es mit der Leidenschaft wie mit der Schwerkraft – sie sinkt. Paare können aber bewusst daran arbeiten, die Erotik und die Zärtlichkeit lebendig zu gestalten. Auch wenn Hörnli und Gehacktes mit Apfelmus mal Ihre Lieblingsspeise war, möchten Sie es nicht zweimal in der Woche.

Wie oft ist (fehlender) Sex der Grund, warum es in der Beziehung kriselt?

Fehlender Sex ist immer ein Signal, dass etwas nicht mehr stimmt in der Beziehung. Bei vielen Paaren ist die Lust auf Sex nicht gleichmässig verteilt. Die Gründe sind sehr unterschiedlich: Überforderung im Alltag, Nebenwirkungen von Medikamenten oder Pornosucht. Übrigens fällt auf, dass in den letzten Jahren immer mehr auch junge Männer unter Libidoverlust leiden, ein sehr tabuisiertes Thema.

Wie erklären Sie sich diese Zunahme?

Der exzessive Pornokonsum hat zugenommen in den letzten Jahren. Vor allem aber hat durch die Globalisierung der gesellschaftliche Druck auf die Männerwelt zugenommen. Entweder man bringt die Zahlen, oder man ist weg. Firmen holen sich Leute aus dem Ausland, welche die Arbeit noch so gerne machen – für wenig Geld. Der Leistungsdruck auf die Männer ist massiv gestiegen.

Trennt man sich eigentlich heute zu schnell?

Ja, das kann man schon so sagen. Das Problem ist, dass Paare in der Krisensituation das Veränderungspotenzial unterschätzen. Bereits mit fünf Therapiesitzungen können einem streitenden Paar neue Wege und Konfliktlösungen aufgezeigt werden.

Sollte man wegen der Kinder zusammenbleiben?

Nein. Was geben Sie Ihren Kindern für ein Weltbild mit, wenn Sie dafür beide auf Jahre hinaus depressiv und unglücklich bleiben? Oft höre ich von Klienten, sie wären froh gewesen, wenn sich ihre Eltern getrennt hätten, statt sich jahrelang anzukeifen.

Was ist Ihr persönliches Rezept für eine glückliche Beziehung?

Dreimal in der Woche sogenannte Paar-Inseln zu pflegen. Das sind Zwiegespräche von 14 Minuten, bei denen jeder sechs Minuten Zeit bekommt, der anderen Person zu erzählen, wie es ihm oder ihr geht und was gerade beschäftigt. Die andere Person hört aufmerksam zu und fasst nach sechs Minuten kurz zusammen, was sie gehört hat. Dann kann die andere Person erzählen. Solche Gespräche wirken Wunder, sie halten die Beziehung lebendig, es entsteht seelische Nähe. Das durchschnittliche Schweizer Ehepaar redet sieben Minuten am Tag miteinander – zu wenig.

Interview: Regula Baumann

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