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Essen / Trinken

Das Gefühl der Freiheit

Das Gefühl der Freiheit

Am Lagerfeuer sitzen, über dem Feuer kochen, Cervelat am Stecken braten – was im Sommer zu einer Wanderung oder zum Zelten gehört, ist auch im Winter möglich. Der Aufwand für eine Suppe hält sich in Grenzen. Umso grösser ist das Erlebnis.

«Es ist ein Gefühl der Freiheit, unter freiem Himmel zu köcheln. Ich sitze vor dem Feuer, höre den Flammen zu, gebe dann und wann eine nächste Zutat in die Gulaschsuppe. Ich lasse meine Seele baumeln. Und wenn später die Gäste zufrieden strahlend ihre Tasse Suppe in den Händen halten, ist das schlichte Glück perfekt. Was willst du mehr?» Auch wer sich nicht wie Frank vier Stunden Zeit für das Kochen im Freien nimmt, ist wohl auch schon am Feuer gestanden, hat den Flammen zugesehen und gewartet, bis das Essen bereit war. Und damit etwas von der Stimmung gespürt, die Frank beschreibt. Doch jetzt im Winter?

Der Wald bietet die Infrastruktur

Reto Bühler, Outdoorspezialist und Erlebnispädagoge aus Edlibach (ZG), kocht auch in der kalten Jahreszeit mit bis zu 20 Personen am offenen Feuer. «Es ist viel einfacher, Feuer im Winter zu entfachen, als man denkt. Die kalte Luft ist trockener als im Sommer», ermutigt er, es auch jetzt zu versuchen. Hat es viel Schnee, empfiehlt er, zuerst ein Loch zu graben. Dadurch ist später das Feuer vor dem Wind geschützt, und die Wärme reflektiert von der Schneewand auf den Topf. Auf dem apern Waldboden hingegen ist es besser, zuerst das Laub zu entfernen. Je nachdem, was die Umgebung anbietet, hängt Reto Bühler den feuerfesten Topf oder Kessel über die Feuerstelle an einen grossen Ast, den er in den Schnee gerammt hat. Manchmal dient ihm ein herumliegender Stacheldraht oder eine Kette aus dem Rucksack zum Aufhängen des Topfs. Unkomplizierter ist es, eine vorgesehene Feuerstelle zu verwenden.

Gibt es keine, können drei grosse Steine im Dreieck so platziert werden, dass der Topf darauf sicher steht. Weil das Feuer an der Flammenspitze am heissesten ist, kann auch ein Dreibein aus feuerfestem Material, auf das man die Pfanne stellt, gute Dienste leisten. Auch Kinder beteiligen sich gern an den Vorbereitungsarbeiten. So könnten sie mit dem Taschenmesser Späne von dürren Stecken abschneiden. Diese Holzstücke sind eine ideale Anzündhilfe für das zwischen den Steinen aufgestapelte Holz. Auch dünnes Nadelholz oder Birkenäste helfen, den Funken zu entfachen. Als eigent­liches Brennholz eignen sich dagegen Eiche und Ahorn, die weniger schnell verbrennen und länger glühen. Das Sammeln von geeignetem Brennholz, Feuermachen und Kochen ist in Schweizer Wäldern und auf Weiden normalerweise gestattet. Gemeint ist herumliegendes Holz, nicht das Kappen von lebenden Ästen und Bäumen. «Jeder Wald hat seinen Eigentümer. Der Respekt vor der Natur, aber auch der Respekt gegenüber fremdem Eigentum (Wald), das uns als Erholungsraum gratis zur Verfügung gestellt wird, gebietet einen entsprechend sorgsamen Umgang», erklärt Theo Weber, Vorsteher des Amts für Wald und Naturgefahren im Kanton Schwyz, die Rechtslage in der Schweiz. Das gilt auch beim Verlassen des Platzes. Das Feuer muss vollständig gelöscht sein, und der Abfall wird zu Hause entsprechend entsorgt.

Wer kein Feuer fürs Kochen oder Aufwärmen von Mahlzeiten entfachen will, findet in Outdoorgeschäften alternative Heizquellen mit Spiritus, Benzin oder Gas und das zugehörige Material in unterschiedlichen Preislagen. Gleichzeitig heisst das aber auch, mehr Gewicht und Volumen im Rucksack mitzutragen.

Die Atmosphäre sorgt für den kulinarischen Genuss

Holzfeuer fasziniert immer wieder neu. Das allein ist schon ein Genuss. Da braucht es keine grossen Kochkünste oder komplizierten Rezepte mehr, um den Hunger zu stillen. Ideal ist eine Suppe. Sie braucht ausser einem feuerfesten Topf, wie sie die Pfadfinder zum Beispiel einsetzen, kaum Material. Sie sorgt gleichzeitig für die Flüssigkeitszufuhr, für Wärme und Sättigung. Weil die Flüssigkeit sicher 10 Minuten kocht, kann das Wasser aus dem Bach oder aus geschmolzenem Schnee stammen. Allfällige Unreinheiten werden in dieser Zeit abgetötet. Pro Person 4 bis 5 Deziliter Wasser berechnen. Während das Wasser mit etwas Bouillon gewürzt auf dem Feuer steht, können nach Belieben Saisongemüse wie Rüebli, Lauch, Sellerie, Champignons und Zwiebeln in kleine Stücke geschnitten und direkt in die Flüssigkeit gegeben werden. Oder jeder höhlt einen kleinen Kürbis aus. Das Fruchtfleisch wird in der Bouillon weich gekocht, die Schale dient später als Suppentasse. Wer sich die Rüstarbeit draussen sparen will, kann wahlweise zu Hause alles schneiden oder getrocknete Gemüsestücke, tiefgekühltes Gemüse oder Gemüse aus der Dose mitnehmen. Auch die Kräuter- oder Gewürzmischung kann zu Hause schon vorbereitet werden. Damit die Suppe auch sättigt, eignen sich Teigwaren, Reis, Gerste, Kartoffelwürfel und/oder rote Linsen, die in rund 15 Minuten gar sind. Werden die Zutaten von Beginn weg dem Wasser beigegeben, müssen ein paar wenige Minuten mehr dazu gerechnet werden. Die Suppe kann zu einer ausgewogenen Mahlzeit mit gekochten Kichererbsen, roten Bohnen oder Wurst­rädli ergänzt werden. Wer will, streut sich am Schluss noch geriebenen oder in Stücke gebrochenen Käse darüber.

Einer für alles

Neben Suppen sind auch sogenannte «One-Pot-Rezepte» geeignet. Dabei gibt man alle Zutaten, zum Beispiel für Tomatenteigwaren, von Beginn weg in den feuerfesten Topf und kocht sie mit dem Wasser gemeinsam auf. Wichtig ist dabei, dass man immer wieder gut rührt; denn mehr Wasser verkocht umso mehr. Sonst brennt es schnell am Topfboden an. Robuste Handschuhe oder ein dicker Lappen schützen vor Verbrennungen. Sind die Teigwaren al dente, sollte auch das ganze Wasser verdampft sein. So bleiben alle Nährstoffe und Aromen im Gericht enthalten und müssen nicht mit dem Kochwasser weggegossen werden.

Reto Bühler macht immer wieder die Erfahrung, dass das Kochen draussen über dem Feuer viel weniger Gewürze und Salz braucht. Kocht er zusammen mit anderen, lädt er alle dazu ein, Zutaten für die Suppe mitzubringen. So stehen alle um den Suppentopf, schnipseln ihr Gemüse ins Wasser – für gute Stimmung, Gemeinschaft und eine individuelle Suppe ist damit gesorgt. Es knistert, helle Flammen lodern, der Duft nach Holz breitet sich aus. Wohltuend ist es zudem, die Hände über dem Feuer zu wärmen. «Am Feuer sitzen und in die Flammen sehen, war wohl das Fernsehen unserer Urahnen», schmunzelt Reto Bühler. Zum krönenden Abschluss, wenn das Holz noch glüht, wickelt er Streifen von Blätterteig um Holzstecken und lässt sie über der Glut backen. Dann vorsichtig und noch warm vom Holz nehmen, ein Schokoladenstängeli in die Teigröhre hineinschieben und den «Schoggi-Hot-Dog» geniessen.

Monika Neidhart

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