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Essen / Trinken

Anstossen mit Sti(e)l

Anstossen mit Sti(e)l

Ein Aperitif, ein gediegenes Essen ist eine Einladung zum gemütlichen Beisammensein. Doch was trinkt ein Gast, der keinen Alkohol will? Es gibt stilvolle Alternativen zu Wasser und Orangensaft.

Der laue Abend lädt an den See ein. Die Aussicht, einen wunderbaren Sonnenuntergang zu erleben und bis weit in die Nacht draussen zu sitzen, weckt Feriengefühle und Lust, den Moment zu feiern. «Hätten Sie gerne einen Aperitif zum Starten?», fragt die nette Serviceangestellte im Restaurant. Am Nachbartisch widerspiegelt sich die Abendsonne als goldene, funkelnde Kugel im Drink. Das gebauchte Kristallglas zeigt ungetrübt die erfrischende Farbe des Getränks. Verlockend. Doch was wählen, wenn einem der Alkohol bei den hohen Temperaturen schnell in den Kopf steigt, man mit dem Auto unterwegs ist oder zum Hauptgang ein gutes Glas Wein geniessen möchte? Die Alternativen sind im Restaurant wie an offiziellen und privaten Apéros meist schnell aufgezählt: Orangensaft oder Wasser. Der Fruchtsaft ist oft zu sauer oder bereits zu sättigend. Wasser ist nicht gerade der prickelnde Start zu einer genüsslichen Feier und zum geselligen Zusammensein. Und allzu gerne möchte man ja auch mit den anderen Gästen und Freunden anstos­sen und erste Kontakte knüpfen. Es geht auch bestens ohne Alkohol, wenn der Gastgeber etwas mutig ist. Wichtig für ein Apérogetränk ist, neben dem Was, auch die kühle Temperatur der Flüssigkeit und das Glas, in dem das Getränk serviert wird.

Der Kick in der Kristallkaraffe

Ein gutes Apérogetränk soll den Appetit anregen und die Lebensgeister nach einem anstrengenden Tag wieder wecken. Besonders erfrischend und appetitanregend sind Kreationen mit Wasser und Zitronen, Minze, Ingwer, Holunderblüten, Crushed Ice oder Eiswürfel. Ohne grossen Aufwand lässt sich dadurch Wasser aromatisieren und optisch ansprechend präsentieren. Eine durchsichtige Glaskaraffe mit gekühltem Wasser füllen und mit Ingwer-, Gurken- und Zitronenscheiben ergänzen. Oder einige Beeren, je nach Saison frisch oder tiefgefroren, die dann gleichzeitig die Eiswürfel ersetzen, mit Zitronenschnitzen und Basilikum- oder Pfefferminzstängel dem Wasser zugeben. Es gibt auch unzählige, alkoholfreie Varianten von Klassikern wie z. B. vom «Hugo». Willkommen ist jeweils auch ein Drink mit eher bitterer Note, wie z. B. aus gewürfelten Limonen, die mit Rohzucker zerdrückt werden und anschliessend mit Bitter Lemon oder Apfelsaft und etwas Mineralwasser ergänzt werden. Damit das aromatisierte Wasser richtig erfrischt, soll es gekühlt serviert werden. Kohlensäurehaltiges Mineralwasser macht das Getränk dank der Kohlensäure spritziger. Das perlige, prickelnde Gefühl lehnt sich an ein Prosecco- bzw. Champagnergefühl an.

Trinken mit Sti(e)l

Vielleicht aber hat man als Gastgeber gar keine Zeit, sich auch um Varianten von alkoholfreien Drinks zu kümmern. Schliesslich investiert man meist schon Zeit für appetitanregende Häppchen oder das anschlies­sende Essen. Die Wirkung des Trinkglases sollte man nicht unterschätzen. René Gabriel, Weinkritiker und Bordeaux-Spezialist, beschäftigt sich entsprechend auch mit Trinkgläsern. Kein Aufwand ist dafür zu gross. Er hat Winkel, Durchmesser, Höhe und andere Parameter untersucht und gar den Verlauf von Nasen studiert, um das optimale Trinkglas für den Wein zu finden, das den Genuss am besten unterstützt. «Bei alkoholischen Getränken studieren wir lange, welches das ideale Glas ist. Für Wasser oder Saft wird dagegen irgendetwas genommen. So werden Gäste, die keinen Alkohol trinken, bereits dadurch degradiert», konstatiert der Fachmann. Und tatsächlich, wer stösst schon gerne mit einem dickwandigen, stiellosen Glas an? Am schönsten erstrahlt die Farbe des Getränks, ob alkoholhaltig oder nicht, in einem Kristallglas. Gefärbte Gläser oder billiges Glas, das in der Abwaschmaschine trüb wird, verfälschen das Bild. Die zylinderförmigen Wassergläser bestehen zudem meist aus dickerem Glas. Warum also nicht das gleiche Glas verwenden wie für alkoholhaltige Getränke? So wirkt ein gut gekühlter, alkoholfreier saurer Most in einem Bierhumpen ganz anders als in einem Sektglas. Hoch und schlank verbreitet das Getränk in diesem Glas bereits eine festliche Stimmung, die goldgelbe Farbe des Saftes kommt voll zur Geltung. Die Perlen der Kohlensäure können wie bei einem Sekt sichtbar nach oben steigen. Durch das Halten am Stiel wird das Getränk nicht durch die Hand aufgewärmt. Ein alkoholfreier, vergorener Saft hat nicht nur fast keinen Alkohol, sondern auch etwa dreimal weniger Kalorien als der alkoholhaltige Apfelsaft. Pro Deziliter rund 18 kcal. Alkoholfreier Saft wird wie saurer Most mit Alkohol hergestellt. Der Alkohol wird später unter Vakuum abgedampft. So bleibt dem Saft, der mit einem Teil klarem Süssmost gemischt und abgefüllt wird, das Gär- und Hefearoma vom sauren Most erhalten. Mit seinem milden, fruchtigen Aroma ein erfrischendes Apérogetränk und ein gutes Beispiel, was Glas und Stiel zum Trinkgenuss beitragen.

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Prickelnder Genuss ohne Alkohol

Patricia Dähler und Esther Schaefer aus Mammern beschäftigten sich bereits vor 15 Jahren mit der Frage nach stilvollen Alternativen zu Alkohol, als die 0,5-Promille-Grenze für Autofahrer eingeführt wurde. Beide führten damals je ein Restaurant. Patricia Dähler begann mangels stilvollen Alternativen zu experimentieren. Sie suchte sie auf Basis von Schweizer Früchten: «Es kann doch nicht sein, dass im Thurgau, der Hochburg des Schweizer Apfelanbaus, Orangensaft fast als einzige alkoholfreie Variante angeboten wird.» Schliesslich fand sie die ideale Mischung aus Trauben- und Apfelsaft aus 25 verschiedenen Apfelsorten von Hochstammbäumen. Das kohlensäurehaltige Getränk füllt ein Winzer im benachbarten Steckborn in einer kleinen Champagnerabfüllanlage ab. Mit Champagnerverschluss, durchsichtiger Flasche und teils transparenter Etikette rücken ihre Getränke auch optisch zu den alkoholhaltigen Schaumweinen auf. Ihre alkoholfreien Schaumweine serviert sie gut gekühlt und am liebsten in einem Sektglas, mindestens jedoch in einem feinen Glas mit Stiel. «Das Bewusstsein und die Akzeptanz von alkoholfreien Getränken haben sich zum Positiven geändert», meint Patricia Dähler.

In Skandinavien spielt der Wein traditionell eine viel kleinere Rolle als bei uns. In diesen Ländern sind Fruchtsäfte als Begleiter nicht nur beim Apéro, sondern auch bei einem mehrgängigen Menü sehr beliebt. Dieser Trend kommt langsam auch in der Schweiz an. In der gehobenen Gastronomie findet man da und dort Fruchtsäfte in die Weinkarte integriert. Die edlen Flaschen werden dem Gast präsentiert, wie es beim Wein selbstverständlich ist. Sie werden glasweise getrunken. Die Direktsäfte aus Apfel, Birne, Quitte, Trauben, Kirsche, Preiselbeeren oder Heidelbeeren werden alle aus Wildbeständen gewonnen. Solche Früchte zeichnen sich durch ein angenehmes Verhältnis von intensivem Fruchtaroma, Zucker und Säure aus. Sie sind entsprechend nicht mit den üblichen Fruchtsäften zu vergleichen, die viel süsser wirken. Im Weissweinglas serviert, überzeugt die Wildquitte zuerst mit dem fruchtigen Duft in der Nase und dem arttypischen herben Geschmack auf der Zunge (ideale Trinktemperatur 9 – 11 °C). Sie passt bestens zu Ente, Käse, Vollwertgerichten oder Caramelcreme. Durch den Service, die Aufmerksamkeit und das edle Getränk in stilvollem Glas ein noch ungewohnter Hochgenuss für alle, die keinen Alkohol trinken.

Monika Neidhart

Holunderdrink

Für 1 Glas à 3 dl

0,1 – 0,2 dl Holunderblütensirup

0,2 dl Zitronensaft, frisch gepresst

4 – 6 Eiswürfel

3 dünne Scheiben Salatgurke

2 dl Süssmost, mit Kohlensäure evtl. frischer Zweig ­Thymian

Zubereitung

Sirup und Zitronensaft in ein hohes Trinkglas geben. Eiswürfel beifügen. Mit Süssmost auffüllen. Gurkenscheiben auf einen Holzspiess längs auf­stechen und zusammen mit Thymianstrauss ins Glas stellen.

Pikante Nüsse

Zutaten

0,5 dl Wasser

50 g Zucker

200 g Nüsse wie Mandeln, Cashewkerne, Haselnüsse

1 TL Salz

½ TL Paprikapulver

¼ TL Korianderpulver

Zubereitung

Wasser mit Zucker aufkochen. 5 Minuten leise köcheln lassen. Etwas abkühlen lassen. Nüsse beifügen, 5 Minuten ziehen lassen. Anschliessend durch ein Sieb giessen und Nüsse gut abtropfen lassen. Mit den Gewürzen mischen. Auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech verteilen. In der Ofenmitte bei 175 Grad 10 – 12 Minuten leicht rösten; nach der Hälfte der Zeit Nüsse wenden.

Pikante Chips aus Nudelteig

Zutaten

1 Rolle Nudelteig

1 EL Rapsöl

2 – 4 Msp. Sambal Oelek

Salz, Pfeffer

Zubereitung

Backofen auf 240 Grad vorheizen. Nudelteig auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Restliche Zutaten vermischen, auf den Teig streichen. Teig mit einem Teigrädli oder Messer in mundgerechte Dreiecke schneiden. Auf der oberen Ofenhälfte 3 – 4 Minuten backen.

Ich muss hinaus in die weite Welt

Ich heisse Susanne, bin 1941 im Appenzellerland aufgewachsen und war von Beruf Krankenschwester. Während meiner Ausbildung besuchte ich regelmässig die Proben eines Chors. Sie waren für mich eine Möglichkeit, mich ausserhalb des Spitalcampus mit der Stadt und ihren Menschen vertraut zu machen. Ich kannte niemanden und ich fühlte mich sehr alleine. Auch im Personalhaus fühlte ich mich anfänglich sehr fremd. Das Haus war düster und kahl, die unregelmässigen Arbeitszeiten verhinderten viele Kontakte.

«Mann-oh-mann!»

Wie sich die Rolle des Mannes in wenigen Jahrzehnten verändert hat und wie der «moderne» Mann damit umzugehen weiss. Oder eben auch nicht. Eine Bestandesaufnahme (Teil 1).

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