Seite auswählen

Ferien / Reisen

Auf Schmugglerwegen im Jura

Auf Schmugglerwegen im Jura

Auf einer mehrtägigen Wanderung im Grenzbereich FrankreichSchweiz taucht man ein in die urwüchsige Natur des Juras und in Geschichten der Uhrmacherei.

Langsam steigt der Nebel am Morgen aus dem Doubs und gibt den Blick frei auf das breite Tal um Morteau (F). Tiefblau schlängelt sich hier der Fluss durch das flache Grasland und die Ebene. Im Frühling ist die Fläche eine einzige Blumenwiese, sogar die geschützte Schachbrettblume ist am Rand des Weges der «Schmuggler» zu entdecken, die den «Chemin de la contrebande» unter die Füsse nehmen.

Der gut signalisierte Weg ist technisch nicht anspruchsvoll. Nach der Ebene steigt der Weg sanft an. Mit jedem Schritt taucht man tiefer ein in die Natur, in die Weiten der grünen Flächen, in die lichten Wälder. Dörfer und Menschen sind bald weit weg. Der Schritt geht leicht, die Luft ist frisch. Das x-fache Ticken von Uhren im Museum in Morteau klingt nach, Details wie kleine Farbtöpfe für die Bemalung der Zifferblätter oder feinstes Handwerkzeug, die im alten Schloss aus der Renaissancezeit in Morteau ausgestellt sind, tauchen beim Gehen vor dem geistigen Auge auf. Handwerkskunst zum Bestaunen. Doch was ist das? Ein Rascheln im Gras bringt den Blick zurück in die Gegenwart. Zwei junge Füchse tummeln sich vor einem Baumstrunk in unmittelbarer Nähe des Weges. Es eilt nicht auf dieser Wanderung, es ist genug Zeit für solch rare Naturbegegnungen. Auf dem höchsten Punkt der Fünf-Tages-Tour, dem Mont Châteleu auf 1300mü.M., öffnet sich der Blick auf einen riesigen Alpenbogen, das majestätische Mont-Blanc-Massiv.

Heimarbeit und Schmuggel ab dem 18. Jahrhundert

Der Wind ist in diesen Frühlingstagen noch kalt. Ungehindert bläst er über die Jurahöhen. Schutz und Einkehrmöglichkeiten gibt es hier oben keine. Erst in der Auberge «Vieux Châteleu» wärmen die währschafte Rösti aus Kartoffelscheiben, Zwiebeln und Schinkenwürfeli und die Saucisse de Morteau, eine grobkörnige Wurst aus Rückenspeck und Schweinefleisch. Die Wurst wird 48 Stunden im Tuyé geräuchert, einem Kamin, der mitten durch die grossen Häuser ging und so seine Wärme für das Backen von Brot, für die Käseherstellung und für Mensch und Vieh abgab. Wie gross ein solcher Kamin oder überhaupt ein ganzes Haus früher sein konnten, sieht man am zweiten Wandertag eindrücklich in Meix Lagor, wo ein Bauernhaus aus dem Jahre 1803 zu einem Restaurant umgebaut worden war.

Die Weite, die Stille, die unverbaute Natur und die Leere faszinieren beim Gehen. Gleichzeitig wird einem auch bewusst, wie hart und lange die Winter hier oben sein mussten und wohl immer noch sind. Um sich ein kleines Zubrot zu verdienen, stellten im 18. und 19. Jahrhundert Bauern in Heimarbeit Uhrenteile her. Uhrmacher zo­gen von Haus zu Haus, reparierten die grossen Pendulen und transportierten gleichzeitig Teile in ihren tragbaren Schubladenschränken hin und her. Dass da manchmal auch anderes mitgetragen wurde und mit welchen Mitteln sie Zöllnern ausweichen konnten, zeigen Spieltafeln entlang des Schmuggelweges. Auf der Jurahöhe ist die Grenze einfach zu passieren. Ein Fuss in Frankreich, einer in der Schweiz. Grenzsteine und kleine vermooste Steinwalle markieren den Verlauf. Gefährlicher ist der Grenzübertritt dann am Doubs, der von Les Brenets (CH) an auf 50km Länge die Grenze zwischen der Schweiz und Frankreich markiert.

Anzeige

Anzeige

Faszinierendes Kunsthandwerk für Auge und Gaumen

Am dritten Wandertag kommt der Fluss wieder ins Blickfeld. In grossen Bögen mäandriert er gemächlich bei Villers-le-Lac (F) durch den Talboden. Wie schnell man sich an die Stille der Natur und die Weite in dieser kurzen Zeit gewöhnt hat, wird einem bewusst, als der erste Motorenlärm vom Talboden das Vogelgezwitscher übertönt. Nach der Ruhe und den kleinen Schönheiten der Natur folgt nun ein Höhepunkt nach dem anderen. Im Museum in Villers-Le-Lac können Bijoux von Uhren bestaunt werden, und in der Bäckerei nebenan kann das Handwerk nicht nur bewundert, sondern auch in Form französischer Patisserie von höchster Handwerkskunst genossen werden. Die so eingenommenen Kalorien tragen einen weiter entlang des Weges, in über 150 Metern über die Schlucht des Doubs und hinunter zum Wasserfall, wo Massen von Wasser rund 27 Meter in die Tiefe stürzen. Das Naturschauspiel kann am nächsten Tag von der Schweizer Seite noch einmal und noch eindrücklicher bestaunt werden. Dazwischen lohnt sich eine 3,5 Kilometer lange Schifffahrt; besonders imposant, wenn man von Les Brenets (oder von Villers-Le-Lac) aus in die Schlucht fährt. Es entsteht der Eindruck, als würden immer wieder fast senkrechte Felsvorsprünge weggeschoben, um einen neuen Blick in die Schlucht zu ermöglichen. Früh morgens faszinieren zudem die gestochen scharfen Spiegelungen im Wasser.

Die Uhrmacherei als Stadtarchitektin

In zwei Tagesetappen und im Wechsel zwischen Stadt und der grünen, weiten Jurahöhe mit unendlich grossen Wiesen, die durch Trockenmauern abgegrenzt werden, führt der Weg in die Städte der Uhrmacherkunst: nach Le Locle und schliesslich nach La Chaux-de-Fonds. Im Château des Monts, in dem das Uhrenmuseum von Le Locle beheimatet ist, kann man sich gut vorstellen, wie die Herren der Uhrenfabriken gelebt haben; im Gegensatz zu den einfachsten Unterkünften der Bauernhöfe auf den Jurahöhen. Hier werden in original eingerichteten Räumen aus der Zeit von Louis XIV und Louis XVI Uhrensammlungen ausgestellt. Beim Betrachten und Staunen vergeht die Zeit wie im Flug. Die Exponate sind nicht nur Zeugen technischer Meisterleistungen, auch die Fantasie und Kreativität durfte aufs Edelste ausgelebt werden. Bei dieser Feinstarbeit wurde das Licht zu einem wichtigen Faktor. Auf den Jurahöhen war dies kein Problem. Als sich die Uhrmacherei immer mehr an einem Ort bündelte, weg von den entlegenen Bauernhöfen, wurden in La Chaux-de-Fonds die Häuserzeilen so angelegt, dass sie der nächsten Reihe kein Licht wegnahmen. Zudem wurden die Wege von Werkstatt zu Werkstatt optimiert. Daraus entstand ein Schachbrettmuster. Den Grundriss und die roten Ziegeldächer ohne Vordach sieht man am besten vom 14-stöckigen Tour Espacité im Zentrum von La Chaux-de-Fonds. Zusammen mit Le Locle wurde die Stadt im Jahre 2009 zur Unesco-Welterbestätte ernannt als Beispiel, wie die Bedürfnisse der Uhrmacherei in die Entwicklung der Stadtlandschaft eingebunden wurden.

Monika Neidhart

«Les Chemins de la Contrebande» ist ein Gemeinschaftsprojekt von Le Pays Horloger (F) und dem regionalen Naturpark des Doubs (CH); 2015 ­eröffnet.
www.lescheminsdelacontrebande.com

5 Etappen von Morteau (F) nach La Chaux-de-Fonds, total 60 km, für Familien geeignet

Organisation, Reservation ­Unterkünfte, Gepäcktransport:
Eurotrek AG, Unterengstringen
www.eurotrek.ch

Unterkünfte: zum Teil nur wenige auf dem Weg

Das Land der Burgen und Schlösser

Über 100 Burgen und Schlösser zählt das Aostatal: Trutzig und mächtig thronen sie auf jedem Felsvorsprung und wachen über das Tal hinter der Schweizer Grenze. Jede valdostanische Burg hat ihre eigene Geschichte und ihren eigenen Charakter. Freunde des Mittelalters kommen hier voll auf ihre Kosten.

Baumpollen sind lästig und doch faszinierend

Hasel und Erle blühen, Ende März kamen Esche und Birke dazu: Die Baumpollensaison ist in vollem Gang. Fast jede zehnte Person ist sensibilisiert auf Birkenpollen und reagiert damit allergisch auf deren Pollenkörner, die zur Blütezeit in der Luft herumfliegen.

Illetrismus im Alter: Die digitalen Senioren

Schon einmal haben wir uns im «active & live» mit dem Thema Illetrismus befasst, doch zwei Themen wurden vorerst nicht berücksichtigt. Wie wirkt sich dieser funktionale Analphabetismus im Alter aus? Und welche Auswirkungen hat die fortschreitende Digitalisierung? Und hängen diese beiden Aspekte zusammen?

Wird geladen

Anzeige