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Natur

Der Igel im Herbst

Der Igel im Herbst

Wenn die Nächte kühler werden, bereiten die Igel sich langsam auf den Winterschlaf vor – bevorzugt in igelfreundlichen Gärten.

Seit Jahrmillionen bevölkern die putzigen Insektenfresser unsere Erde. Sie gehören erdgeschichtlich zu den ältesten noch existierenden Säugetierformen. Und selbst die grössten Eingriffe in die Natur durch den Menschen konnten den Bestand der geschützten Igel nie ernsthaft gefährden. Sie sind kleine Allesfresser, die sich an unsere veränderte Landschaft angepasst haben, dies auch dank den Gartenbesitzern, die den Mut zur Wildnis beweisen, indem sie Pflanzenüberreste der Fauna überlassen und auf Insektizide und Herbizide verzichten. Ein englischer Rasen oder phantasielose Neubaugrünflachen sind keine Orte, an dem ein Igel überleben kann. Aufgrund intensiver Bewirtschaftung und dem Einsatz von Chemie in der Landwirtschaft ist unser heimischer Braunbrustigel mittlerweile auf die igelfreundlichen Gärten in Siedlungsgebieten angewiesen, denn in den letzten 60 Jahren verlor er rund drei Viertel seines Lebensraumes und auch die Insekten verschwinden immer mehr von seiner Speisekarte.

Igel bereiten sich auf den Winter vor

Bis zum Herbst, wenn das Jahr in die letzte Runde geht, benötigt unser stacheliger Gartenfreund ein Fettpolster, welches als Energiespeicher dient. Das bedeutet in erster Linie: viel fressen! Die Fettreserven benötigt er dringend, denn während der kalten Jahreszeit wird das Nahrungsangebot immer spärlicher. In naturbelassenen Gärten suchen die stacheligen Tiere gerne nach Regenwürmern, Spinnen, Schnecken und Insekten, dabei stöbern sie mit ihrer hochempfindlichen Nase in der Erde, im Gras und Laub nach Fressbarem. Sie durchstreifen grosse Gebiete und sind dankbar für jeden freien Zugang zu «wilden Gärten». Denn mit einem erstaunlich guten Orientierungssinn erstellen die kleinen Allesfresser eine Art Landkarte in ihrem Gedächtnis. Dort sind Hindernisse, mögliche Durchschlüpfe, Tagesverstecke und gute Futterstellen verzeichnet. Einen ungestörten Winterschlaf können Igel am besten in einem gut isolierenden Laubhaufen, in dichten Hecken, alten Baumwurzeln oder in hohlen Bäumen halten. Die englische Bezeichnung für den Igel kommt nicht von ungefähr: «Hedgehog» bedeutet Heckenschwein und bezieht sich auf die Vorliebe, Nester gerne in Hecken anzulegen. Naturfreunde können «ihrem» Igel auch eine Behausung zur Verfügung stellen. Diese Häuschen kann man selbst bauen oder im Baumarkt kaufen.

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Der Winterschlaf des Igels

Sinken im Herbst die Temperaturen auf 12 °C bis 6 °C, fällt der Igel in einen Dämmerschlaf. Das kann gefährlich sein, denn in diesem Zustand verbraucht er zu viel von seinem Winterspeck. Erst wenn die Temperaturen unter 6 °C fallen, geht der Igel in den richtigen Winterschlaf. Er ist in der Lage, seinen Energiehaushalt während dieser Monate auf ein absolutes Minimum zu drosseln – seine gesamte Biologie läuft auf Sparflamme. Die Herztätigkeit von zirka 180 Schlägen wird auf rund 5 Schläge pro Minute verringert und die Atmung auf 3 bis 4 Mal pro Minute reduziert. Selbst die Körpertemperatur beträgt während des Winterschlafes nur noch 5 Grad. Dabei verliert der Igel zwischen 20 und 40 Prozent seines Körpergewichts. Deshalb nennt man den Winterschlaf des Igels auch «den kleinen Tod». Aber nur so kann er die kalten Wintermonate von November bis Mitte März überstehen. Ohne den Schlaf müssten die Tiere verhungern, denn in den Wintermonaten gibt es für Igel keine Nahrung.

Igelbegegnung im Winter

Es kommt vor, dass ein Igel seinen Winterschlaf unterbricht und umherläuft. Aber nicht in allen Fällen muss man etwas unternehmen, denn nicht jedes Tier, das auf den ersten Blick hilflos erscheint, benötigt tatsächlich Hilfe, und der direkte Kontakt mit Menschen bedeutet für Igel enormen Stress. Ist der Igel noch gut genährt, aktiv und reagiert mit einer Stachelkugel bei Berührung, darf man ihn getrost weiterziehen lassen. Wird ein Igel beispielsweise im Winter gefüttert oder bedient sich am Futternapf von Katzen, kann es sein, dass er den Winterschlaf gar nicht erst antritt. Auch die Zerstörung seines Winterschlafnestes kann dazu führen, dass ein Igel sich einen neuen Überwinterungsort suchen muss. Igel reagieren äusserst ­empfindlich auf ihre Umgebungstemperaturen, warme Temperaturen lassen den Igel frühzeitig aus dem Winterschlaf erwachen. In der Regel bleiben sie während solcher Wachphasen in ihrem Nest und schlafen wieder ein. In einem warmen Winter mit häufigen Wachphasen kann es aber sein, dass Igel aufgrund der vorzeitig aufgebrauchten Fettreserven den Winter nicht überstehen. Der Igel ist in der Schweiz eine geschützte Tierart. Einen Igel grundlos zu berühren, einzufangen oder in Gewahrsam zu nehmen ist verboten. Nur verletzte, kranke und hilflose Igel dürfen im Einklang mit dem Gesetz ins Haus genommen werden. Dazu zählen auch Jungtiere, die im November noch deutlich unter 500 Gramm wiegen. So viel sollte ein in diesem Jahr geborener Igel wenigstens auf die Waage bringen, um den ersten Winterschlaf aus eigener Kraft zu überstehen. Eine qualifizierte Igelfachstelle kann entscheiden, ob es überhaupt nötig ist, das Tier temporär in menschliche Pflege zu belassen oder ob er zur Betreuung in einer Igelstation oder beim Tierarzt gebracht werden muss.

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Kranker Igel – gesunder Igel?

Kranke Igel im Winter erkennt man meist daran, dass sie tagsüber auf Futtersuche sind, torkeln oder apathisch wirken. Sie rollen sich bei Berührung kaum ein und an einer Einbuchtung hinter dem Kopf und an herausstehenden Hüftknochen kann man erkennen, ob ein Igel zu mager ist. Sein Gang wirkt hochbeinig und der Körper länglich. Oft leiden kranke oder geschwächte Igel auch an einem übermässigen Zecken- oder Flohbefall. Die Augen sind nicht mehr halbkugelig, sondern wirken eingefallen und schlitzförmig. Meist handelt es sich um kranke oder schwache Alttiere oder Jungtiere, die zu spät geboren und ebenfalls krank sind. Denn in manchen Jahren reicht das Nahrungsangebot im Spätherbst nicht aus, um ein ausreichendes Fettpolster für den Winter zu bilden. Ein gesunder Igel sollte «kugelrund» sein, seine Form erinnert an einen runden Laib Brot.

Igelsuchhunde

Da der Igel kein Fluchttier ist, verharrt er auch bei Gefahr eher an Ort und Stelle und während seines Winterschlafes ist er gänzlich reaktionsunfähig. Das Igelzentrum Zürich und die Igelstation Ebikon bieten besorgten Igelfreunden, die melden, dass in ihrer Nähe eine alte Siedlung abgerissen oder überwachsenes Bauerwartungsland gerodet wird, einen besonderen Service an. Die Igel-Aufspürhunde Jay, Keno und Yuma sind auf den Igelgeruch konditioniert und mithilfe ihres hervorragenden Geruchsinnes in der Lage, die Tiere aufzuspüren. Ziel einer Igel­aufspüraktion ist es, den Igel temporär aus der Gefahrenzone zu entfernen. Die Hunde sind darauf trainiert, die Igel «passiv» anzuzeigen, das bedeutet, der Hund legt sich bei einer Anzeige ruhig ins «Platz», damit bereiten sie dem Igel so wenig Stress wie möglich. Manchmal genügt es, den Igel während der kurzen Zeit der Rodung in einem Nachbargarten in einem Gehege unterzubringen. Denn Igel sind ortstreu und verbleiben gerne in ihrem angestammten Lebensgebiet.

Schutz und Förderung des ­einheimischen Braunbrustigel

Überall in der Schweiz verteilt gibt es Igelstationen und fachkundige Igelfreunde, die mit Rat und Tat zur Seite stehen, wenn man bei einem Igelfund nicht sicher ist, ob und wie man handeln sollte. Dort können auch kranke und verletzte Igel medizinisch versorgt werden.

Raum Zürich: www.igelzentrum.ch, ­Ostschweiz: www.igelverein.ch
Auf www.pro-igel.ch finden Sie weitere ­Kontakte in der ganzen Schweiz.

Mehr Infos: www.spuerhund-keno.ch

Erste Massnahmen beim Fund eines kranken oder ­verletzten Igels

• Mit Handschuhen oder einem Tuch behutsam aufnehmen und in eine grosse, mit Zeitungspapier ausgelegte Kartonschachtel legen.

• Fundort und Fundzeit notieren, denn Igel sollten immer nur dort ausgesetzt werden, wo sie gefunden worden sind.

• Fühlt sich der Bauch des Tieres deutlich kälter als Ihre Hand an, kann eine mit lauwarmem Wasser gefüllte Wärmeflasche und viel Ruhe erst einmal helfen.

• Eventuell ein Schälchen mit Katzenfutter und frischem Wasser zur Verfügung stellen. (Keine Milch anbieten, der enthaltene Milchzucker führt zu Durchfällen)

• Bitte behandeln Sie den Igel nicht selber mit Floh- und Zeckenpräparaten respektive holen Sie sich erst den Rat einer Fachperson.

• Mit einer Igelpflegestation oder einem Tierarzt in Verbindung treten.

Generell gilt: Der Igel ist ein Wildtier – Zähmungsversuche sind zu unterlassen. Er sollte nicht länger in Obhut gehalten werden als unbedingt nötig.

Quelle: www.igelzentrum.ch

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