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Gesundheit

Heimweh – Sehnsucht oder Krankheit?

Heimweh – Sehnsucht oder Krankheit?

Heimweh ist eine Sehnsucht nach dem Gewohnten und Bekannten. Zugleich ist es der Wunsch nach Verbundenheit und Zugehörigkeit. Dieses Gefühl kann sich zeigen, wenn jemand mit einer neuen Umgebung, fremden Menschen oder einer unbekannten Situation konfrontiert wird. Heute gilt Heimweh nicht mehr als anerkannte Krankheit. Ganz schön schmerzen kann es trotzdem.

Erinnerungen an das erste Schullager oder den ersten Ausflug ohne Eltern sind meist mit starken Gefühlen verbunden. Stolz ist man mit Sack und Pack abgereist, voller Vorfreude. Nach geringer Zeit schlich sich eine Traurigkeit, eine schmerzliche Sehnsucht nach der Familie und dem Zuhause an. Heimweh – ein starkes Gefühl.

Heimweh galt einst als verbreitete Volkskrankheit. In der heutigen, globalisierten Welt gilt es eher als unzeitgemäss und peinlich. Man spricht selten offen darüber und schämt sich gar dafür. Doch das Leiden gibt es nach wie vor. Die moderne Psychologie spricht nicht mehr von Heimweh, sondern von Anpassungsstörungen. Im Grunde meint man damit dasselbe.

Was ist Heimweh?

Heimweh beschreibt das belastende Gefühl, sein Zuhause, seine Heimat, sein vertrautes Umfeld zu vermissen. Erfahrungen an einem neuen, fremden Ort können verunsichern und begleitet sein von Ungewissheit und Einsamkeit. Heimweh ist eine Sehnsucht nach dem Gewohnten und Bekannten, es ist der Wunsch nach Sicherheit, Stabilität und Vertrautheit. Heimweh wird meist als lähmendes, schmerzendes, trauriges Gefühl empfunden. Heimweh kann auch von Appetitlosigkeit, Schlafproblemen oder Angespanntheit begleitet werden.

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Treffen kann es jeden

Heimweh kann jeden treffen, egal in welchem Alter oder in welcher Situation. Kinder und junge Menschen empfinden Heimweh, wenn sie das erste Mal ohne Eltern auf einer Reise sind oder für eine Ausbildung ins Ausland ziehen. Auswanderer und Reisende kennen Heimweh. Alte Menschen erleben oft starkes Heimweh in einem Heim. Migranten vermissen ihre Heimat, die sie oft fluchtartig verlassen mussten, enorm. Es gilt klar zu unterscheiden, ob Heimweh eine kurze Phase betrifft und eine Heimkehr möglich ist oder ob es für die Betroffenen kein Zurück mehr gibt, da es ihr Zuhause so, wie es vermissen, oft nicht mehr gibt.

Auslöser von Heimweh

Heimweh kann durch unterschiedliche Faktoren ausgelöst werden. Erinnerungen können geweckt werden durch Düfte nach vertrautem Essen, bestimmte Melodien, Blumen, Wetterlagen, Begegnungen mit anderen und vieles mehr. Auch Einsamkeit, Alleinsein und Isoliertheit können Heimweh fördern.

Heimweh kann sinnvoll sein

In gewissen Phasen kann Heimweh sinnvoll und wichtig für die Entwicklung sein. Es zeigt die Verbundenheit und die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Umfeld. Für Kinder oder junge Menschen ist es prägend, fernab von der Familie zu spüren, dass sie ein Teil ihrer Familie sind. Wer Heimweh hat, ist Teil von etwas. Der Betroffene hat es geschafft, sich in seinem Umfeld zu integrieren.Dieses Wissen kann auch Kraft und Mut geben, sich erneut auf einen fremden Ort oder etwas Neues einzulassen.

Heimweh und Fernweh – nahe Verwandte

Häufig ist Heimweh eng mit Fernweh verbunden. Viele Menschen wünschen oder sehnen sich gar, zwischendurch aus vertrauten Bahnen herauszukommen. In der Ferne merken sie dann, wie wichtig ihnen das Altbekannte war. Laut Psychologen ist es nicht selten, das Fern- und Heimweh gleichzeitig auftauchen. Beides ist eine Form von Sehnsucht und im Grunde die Suche nach dem richtigen Ort für sich selbst.

Heimweh ist die Suche nach dem «richtigen» Ort

Heimweh hat durchaus auch etwas Positives. Das Wort symbolisiert eine Sehnsucht, einen Wunsch, ein Ziel. Heimweh ist ein Teil der Suche nach sich selbst. Wer Heimweh hat, ist auf der Suche nach seiner eigenen Heimat, nach einem Ort, an dem er glücklich und erfüllt sein kann. Glücklich ist, wer diesen Ort gefunden hat.

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Was hilft gegen Heimweh?

Heimweh stellt sich in der Regel nach Tagen oder Wochen ein. Wie stark das Heimweh ist, hängt generell damit zusammen, wie jemand mit Veränderungen umgehen kann und wie hoch seine Anpassungsfähigkeit ist. Dazu braucht es innere Stärke und eine gewisse Frustrationstoleranz. Aus diesem Grund sind Kinder und betagte Menschen stärker von Heimweh betroffen. Bei der Frage, ob bei Heimweh die Situation unbedingt ausgestanden werden soll, gehen die Meinungen stark auseinander. Die Bewältigung von Heimweh kann das Selbstbewusstsein stärken.

 

Tipps gegen Heimweh

  • Sich optimal im Voraus auf den neuen Ort vorbereiten.
  • Sich Zeit geben, um am neuen Ort anzukommen.
  • Heimweh als etwas Positives annehmen: eine Situation, an der man wachsen kann und wobei man lernt, sich und seine Bedürfnisse besser wahrzunehmen. Heimweh ist letztlich ein Hinweis, dass man Wurzeln hat und irgendwo dazugehört.
  • Über die Gründe für das Heimweh nachdenken.
  • Jeden Menschen, den man am neuen Ort kennenlernt, als Geschenk sehen.
  • Über die Heimat reden und den neuen Freunden Bilder von der alten Heimat zeigen.
  • Essen aus der Heimat kochen und es mit neuen Freunden teilen.
  • Bewusst in die Zukunft fokussieren und nicht in der Vergangenheit verhaftet bleiben.
  • Beste Lösung: sich ablenken.

Franzi Holweck

Heimweh hat eine lange Geschichte

Bereits 1688 hatte der Basler Mediziner Johannes Hofer die Ursache für Heimweh beschrieben und das Leiden ­«Nostalgia» getauft. Mit seiner Theorie landete er einen Volltreffer in der Gesellschaft. Es folgten unzählige Untersuchungen, Studien und Debatten. So wurde Heimweh zur anerkannten Krankheit. Eine Zeit lang wurde Heimweh regelrecht zum Massenphänomen. So plötzlich wie der Heimweh-Boom gekommen war, verschwand er auch wieder. Nur nicht das Leiden selbst.

Heimweh trifft auch die härtesten Kerle. Im 18. Jahrhundert waren Schweizer Soldaten fernab in Europa unterwegs. Die jungen Männer sollen sich so sehr nach ihrem Zuhause gesehnt haben, dass sie psychosomatische Symptome entwickelten. Sie wurden kraftlos, magerten ab, bekamen Fieber, manche starben sogar daran. Der Befund «Heimweh» wurde deshalb auch «Schweizer Krankheit» genannt.

Spätestens seit der Erklärung des ­Psychologen Karl Marbe im Jahr 1925 gilt Heimweh nicht mehr als Krankheit, sondern als ganz normales Verhalten von Menschen, geknüpft an bestimmte Be­dingungen der Umwelt. Die Verbindung zur Krankheitsdiagnose sieht man dem Wort Heimweh aber immer noch an. Im Englischen heisst es «homesickness» und im Französischen «mal du pays» oder «mal du Suisse». Der Schmerz oder die Krankheit ist also auch hier im Wort enthalten.

Heimweh ist Inhalt vieler Kunstwerke, Gedichte, Bücher und Lieder

Heidi

Heimweh ist Inhalt vieler Kunstwerke, Gedichte, Bücher und Lieder. Früher ist die Gesellschaft mit Heimweh viel natürlicher und feinfühliger umge­gangen. Paradebeispiel ist Heidi, die Romanfigur von Johanna Spyri. Die Geschichte ist weltbekannt und erzählt von einem fröhlichen Naturkind, das in der Stadt vor lauter Heimweh schlafwandelt und im Geheimen still ins ­Kissen weint. Was für ein Glück, ­diagnostiziert der Arzt Heimweh. Er bewertet diese Krankheit als potenziell tödlich verlaufend und verlangt von der Frankfurter Familie die sofortige Rückkehr Heidis zum Grossvater in die Schweizer Berge.

Autsch! E.T. nach Hause telefonieren.

Selbst vor Ausserirdischen macht ­Heimweh keinen Halt. E.T.s sehnlichster Wunsch war es, Kontakt zu seinem Zuhause auf­zunehmen. Die Sehnsucht nach seinem Daheim hätte ihn beinahe umgebracht. Gut, gibt es in Filmen meist ein Happy End: Im letzten Moment noch fing E.T.s Herz wieder an zu leuchten, als er merkte, dass seine «Familie» auf dem Weg war, um ihn auf der Erde abzuholen.

Mann-oh-mann!

Im letzten «Mann(oh)mann» hatten wir uns mit dem Heldentum beschäftigt und uns die Frage gestellt, wie der Mann von heute zum Helden werden kann. Vielleicht macht es Sinn, diese Frage von einer ganz anderen Seite her aufzurollen. Ein Versuch.

Frozen Shoulder – wenn die Schulter einfriert

Wenn die Gelenkkapsel im Schultergelenk plötzlich versteift, spricht man von einer Frozen Shoulder – eine schmerzhafte Erkrankung, die zu einem echten Geduldsspiel werden kann. Einige Fragen zu diesem Thema beantworten uns Dr. med. Pascal Vogt, Facharzt für Orthopädische Chirurgie, und Physiotherapeut Rob van Gelderen (Bsc Physiotherapie, Sportphysiotherapeut, MAS Manuelle Therapie).

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