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Kultur

Weihnachten im Norden

Weihnachten im Norden

Jedes finnische Kind weiss: Es gibt nur einen wahren Weihnachtsmann, den Joulupukki. Und seine Heimat ist – Finnland, natürlich. In Island wiederum treiben unheimliche Weihnachtsgesellen ihr Unwesen, in Dänemark bringt der Milchreis Glück oder nicht, und in Schweden möchte jedes Mädchen die Luciabraut sein.
Kennen Sie den Joulupukki? Falls Sie jetzt den Kopf schütteln, ist Ihnen das Unverständnis finnischer Kinder gewiss. Denn der Weihnachtsmann gehört zu Finnland wie die Sauna, die unzähligen Seen und die Mitternachtssonne. Und er spielt keinesfalls nur im Dezember eine zentrale Rolle bei den Finninnen und Finnen: Der Joulupukki ist das ganze Jahr präsent.

Er wohnt in einem kleinen Dorf am Korvatunturi, Tunturi für Berg. Das hindert ihn keineswegs daran, fast täglich in seinem Büro mit Postamt bei Rovaniemi, der Stadt am Polarkreis am 66. nördlichen Breitengrad, zu sein. Dort empfängt er Kinder und Erwachsene aus aller Welt, lässt sich mit ihnen fotografieren, nimmt Nuggis entgegen, plaudert. Und dort, im Santa Claus Village in Finnisch-Lappland, beantwortet er gemeinsam mit seinen Wichteln und Elfen die Unmengen an Briefen, die fast täglich eintreffen. Aus 189 Ländern haben Frauen, Männer und Kinder bisher ihre Wünsche geschickt. Es sind weit mehr als profane Wunschlisten, die den Weihnachtsmann erreichen: Manche Leute ­schreiben sich die Sorgen von der Seele oder erhoffen sich mentale Hilfe für ein krankes Familienmitglied.

Am 24. Dezember besucht der Joulupukki die Kinder in ihren Familien zu Hause – dann übernimmt ein Vater oder ein Nachbar in diese Rolle, und die Mädchen und Buben empfangen den Weihnachtsmann in roten Strumpfhosen, einer langen roten Zipfelmütze und einem rot verzierten Baum­wollkleid. Somit schlüpfen sie in die Rolle der Wichtel, der Helfer. Fragt der Weihnachtsmann dann mit tiefer Stimme, ob hier brave Kinder wohnen, ist ein lautes «Ja!» als Antwort gewiss. Ermahnungen gibt es keine, dafür singen die jungen Finninnen und Finnen mit dem Weihnachtsmann oder tanzen sogar mit ihm.

Ein riesiges Lichtermeer

Doch für die Familien beginnt Heiligabend weit vorher, nämlich mittags: Um Punkt 12 Uhr werden Radio oder Fernseher angeschaltet, um die Verkündigung des «Weihnachtsfriedens» zu hören. Die Zeremonie findet in Turku statt, der früheren Hauptstadt. Um 17 Uhr besucht man dann – so will es die Tradition – den Gottesdienst, und anschliessend bringt man Kerzen und/oder Zweige zu den Gräbern der Verstorbenen. Auf manchen Friedhöfen erstrahlt ein eindrückliches Lichtermeer. Fährt man danach übers Land, steigt bereits Rauch von den ersten Saunahäuschen auf. Denn Weihnachten ohne Sauna? Undenkbar! So richtig friedlich wird das Weihnachtsfest allerdings nur, wenn man vorher alle Weihnachtskarten verschickt hat. Die Finnen sind als friedliche Menschen bekannt, doch wer es versäumt, seinen Bekannten und Verwandten eine Weihnachtskarte zu senden, wird es sich mit ihnen verscherzen. Das kann dem Joulupukki nicht passieren: In seinem Büro türmen sich die Stapel täglich!

«Santa Lucia …»

Finnlands westliche Nachbarn haben den 13. Dezember im Kalender oft dicker angestrichen als den 24. An diesem Tag feiert man in Schweden landauf, landab das Lucia­fest, und überall ist die eingängige Melodie von «Santa Lucia, Santa Lucia …» zu hören. Es gehört zum Traum eines jeden schwedischen Mädchens, einmal im Leben die «Lussebrud», die Luciabraut, zu sein und bei den Prozessionen am Lichterfest im Mittelpunkt zu stehen. Die Luciabraut nämlich führt die Delegation der Sternenjungen und Brautjungfern beim Einzug in die Kirche an, ebenso bei Umzügen in der Stadt oder im Dorf oder in der Schule. Sie trägt einen Kranz aus Preiselbeerzweigen mit brennenden Kerzen und ein Kleid mit rotem Samtband. Untrennbar zum Luciatag gehören die «Lussekatter», die leicht süsslichen und safrangelben Luciabrötchen aus Hefeteig.

Am Luciatag gedenkt man der heiligen Lucia, der Lichtbringerin. Einer Legende zufolge versorgte Lucia verfolgte Christen des Nachts mit Lebensmitteln. Damit sie die Hände für das Tragen der Körbe frei hatte, steckte sie sich einen Kranz mit Kerzen auf den Kopf. Im Jahr 304 starb sie den Märtyrertod.

Alles in Rot-Weiss

Etwas weiter südlich, in Dänemark, nimmt niemand das Wort «Dezember» in den Mund. Die Rede ist vielmehr vom «Weihnachtsmonat» – er beginnt mit der dänischen Adventskerze, die in 24 Abschnitte unterteilt ist. Jeden Tag wird ein Stückchen abgebrannt. Rot und Weiss, die Farben auf der dänischen Flagge, verleihen dem Weihnachtsmonat ein festliches Gewand. Noch am kleinsten Fenster hängen typische rote Herzen oder weisse Scherenschnitte, überall brennen Kerzen, mit Vorliebe weisse und rote. Nie ist es in Dänemark so «hygge» (gemütlich) wie im Dezember. Man trifft sich auf Weihnachtsmärkten, geniesst das dänische Weihnachtsbier und Krapfen – die «Æbleskiver» wurden schon immer gebacken, sie sind das traditionellste Backwerk im Land. Selbst aus dem Weihnachtsbaumkauf machen die Däninnen und Dänen einen feuchtfröhlichen Anlass, bei dem kräftig angestossen wird. In der Regel steht der Baum dann auf dem Balkon, denn geschmückt wird er erst an Heiligabend – oder kurz davor. Müssig zu erwähnen, dass auch der Baumschmuck in Rot-Weiss gehalten wird! Selbst kleine dänische Papierflaggen werden gern aufgehängt. Mit der ganzen Familie um den Baum tanzen, Lieder singen, sich am üppigen «Julbord» (Weihnachtsbuffet) bedienen, wo meistens eine gefüllte Gans lockt, Geschenke – all das gehört zur typischen dänischen Weihnacht. Plus: Milchreis. Davon stellte man früher eine Portion für den Weihnachtswichtel Nisse hin, heute werden die Geschenke jedoch häufiger vom Weihnachtsmann gebracht. Der (kalte) Milchreis wird als Vorspeise oder Dessert gereicht, und wer darin eine Mandel findet, ist ein Glückspilz und darf sich auf ein zusätzliches Geschenk freuen.

Gefürchtete Gesellen!

Während andere Kinder in Europa im Advent ungeduldig Türchen um Türchen öffnen, wird es dem Nachwuchs in Island etwas bange. Und in der Nacht auf den 13. Dezember schläft manch ein Mädchen oder Bub unruhig und wälzt sich im Bett. Denn am 13. Dezember macht sich der erste Weihnachtsgeselle, der Jólasveinar, auf den Weg von den schwarzen Bergen im Lavafeld Dimmuborgir im Nordosten der Insel hinunter ins Tal zu den Menschen – und täglich folgt ein weiterer, bis am 24. Dezember alle versammelt sind. Heute sind sie nicht mehr ganz so wild wie früher, sie haben sogar Geschenke dabei, doch ihre verschrobenen Marotten haben sie noch nicht ganz abgelegt. Das liegt möglicherweise an ihrer Mutter, dem Trollweib Grÿla. Schlimmer ist wohl nur noch deren Katze, die Weihnachtskatze Jolaköttur. Die frisst – so erzählt man es sich – faule Menschen!

Trotzdem wird der Heilige Abend feierlich in Island. Um 18 Uhr versammeln sich die Familien rund um das Radio. Der Rundfunk unterbricht das Programm, und in den Häusern und Autos auf der ganzen Insel ist das Glockengeläut der Hallgrímskirkja in Reykjavík zu hören. Danach geht man gemeinsam zum Gottesdienst, und zwar im besten Gewand. Zu Hause gibt es Fisch oder Lamm, und unter dem Geschenkpapier kommen vor allem Bücher zum Vorschein. Am 6. Januar ist die Weihnachtszeit offiziell zu Ende – an diesem Tag verschwindet auch der letzte Weihnachtsgeselle wieder in seiner Höhle, und die jungen Isländerinnen und Isländer können aufatmen.

Franziska Hidber

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