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Natur

Scheue Hoppler

Scheue Hoppler

Feldhasen sind Meister der Tarnung, äusserst schnell und umsichtig. Doch ihre derzeitige Lebenssituation ist trotzdem nichtgerade erfreulich.

Gestatten, sein Name ist Feldhase, Langohr, Mümmelmann, Meister Lampe oder um es wissenschaftlich auszudrücken: Lepus europaeus. Und wie wir alle wissen, hat er nichts mit Ostereiern am Hut. Oder vielleicht doch? Zumindest legt der Feldhase keine Eier. Er ist ein Säugetier, eines der häufigsten Wildtiere, dessen natürliches Verbreitungsgebiet einst fast alle Kontinente umfasste. Heute gilt Meister Lampes Bestand in vielen Regionen Europas als stark rückläufig. Einzig im Nordosten der USA, in Südamerika und Australien, Tasmanien und in Neuseeland findet der Mümmelmann noch genügend Lebensraum. Ein trauriger Zustand, wo doch der Feldhase der volkstümliche Märchenliebling in allen Kinderzimmern ist – und ein faszinierendes Tier obendrein.

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Märchenhafte Karriere in Buxtehude

Der Feldhase findet sich in zahlreichen Märchen auf der ganzen Welt wieder. Eines davon kennt fast jedes Kind: «Der Wettlauf zwischen dem Hasen und dem Igel.» (im Original: «Dat Wettlopen twischen den Hasen und den Swinegel up de lütje Heide bi Buxtehude») von Wilhelm Schröder aus dem Jahre 1840. Handlungsort ist die Buxtehuder Heide in Norddeutschland. Ein Hase macht sich über die krummen Beine des Igels lustig, worauf ihn dieser zu einem Wettrennen über den Acker herausfordert. Der Einsatz ist ein goldener «Lujedor» (Louis d’or) und eine Flasche Branntwein. Der clevere Igel weiss, dass er chancenlos ist, und platziert am Ende der Ackerfurche seine ihm zum Verwechseln ähnlich sehende Frau. Er selbst läuft beim Start nur einige Schritte. Siegesgewiss stürmt der Hase zum Ziel, wo die Frau des Igels den Hasen mit dem Ausruf «Ick bün al hier!» (Ich bin schon hier) bereits erwartet. Der Hase ist verwirrt und ihm ist die Niederlage unbegreiflich. Er verlangt Revanche, doch auch der 73. Lauf führt zum gleichen Ergebnis. Beim 74. Rennen bricht der Hase erschöpft zusammen und stirbt.

1843 nahmen die Gebrüder Grimm das Märchen in ihre Kinder- und Hausmärchen auf. «Der Hase und der Igel» wurde bis heute auf mehr als 160 Sprachen übersetzt und die norddeutsche Stadt Buxtehude wurde für ihre Fabeltierchen zu einer bekannten Märchenstadt. Mannshohe individuell gestaltete Hasen- und Igelfiguren überall im Ort geben dem volkstümlichen Märchen moderne Gestalt.

Dass die Rennen zwischen Hase und Igel ausgerechnet auf einem Acker stattfanden, hat einen sozialen Hintergrund. Der Igel spielte die Rolle eines «Bauern», der Hase die Rolle eines vornehmen, hochnäsigen Grundbesitzers. Die moralische Schlussfolgerung des Märchens zielt darauf ab, dass man sich über vermeintlich unterlegene Leute nicht lustig machen soll und dass man sich eine Frau aus dem eigenen Stand aussuchen sollte, die eine ähnliche Mentalität besitzt wie man selber.

Sportliche Kurzstreckensprinter

Dank der stark entwickelten Hinterbeine und dem grossen Herz sind Feldhasen echte Sportler. Sie besitzen grosse Ausdauer und rennen bis zu 70 km/h schnell. Durch ihre Fellfarbe perfekt getarnt, drücken sich Feldhasen mit angelegten Ohren in ihre Sasse (Grasmulde zur Deckung). Dabei nehmen sie jede Bodenerschütterung wahr. Fliegt ihre Tarnung trotz aller Vorsichtsmassnahmen auf und ein Feind kommt zu nah, springen sie abrupt auf und sprinten los. Dabei schlagen sie meisterliche Haken und können bis zu 2 Meter hoch springen, um ihre Feinde zu täuschen. Mit dieser ausgefeilten Fluchttechnik holt sie so schnell keiner ein. Die scheuen Feldhasen sind typische Fluchttiere, die ihre Gegner nicht angreifen, sondern bei Gefahr stets fliehen. So entstanden auch die Bezeichnungen «Angsthase» und «Hasenfuss» für besonders schüchterne Menschen. Feinde hat der Feldhase zur Genüge: Greifvögel, Füchse und schlussendlich der Mensch machen ihm das Leben schwer.

Was hat der Hase mit Ostern zu tun?

Historiker streiten sich immer noch um die wahre Geschichte. Ei und Hase sind beides Fruchtbarkeitssymbole, ergo sei hier schon mal eine Verbindung zu erkennen. Des Weiteren sagte man den Hasen nach, sie schlafen nicht, weil sie keine Augenlider haben. Auch Jesus Christus sei im Tod nicht entschlafen. Eine plausiblere Erklärung stammt aus dem Mittelalter: Zu Ostern wurde der sogenannte Naturalzins fällig, oftmals übergab man damit auch Hasen als Bezahlung. Das mag im 17. Jahrhundert die Vorstellung des «Osterhasen», der die Eier bringt, gefördert haben. Bis ins 19. Jahrhundert gehörten Hasen allerdings als Osterei-Bringer eher zu den Z-Promis. Denn diesen Job übernahmen damals der Kuckuck, der Fuchs, die Henne oder ein Storch. Erst die Spielzeug- und Süsswarenindustrie sorgte Mitte des letzten Jahrhunderts für den Karrieresprung der Langohren zum Oster­hasen.

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Wo liegt der Hase im Pfeffer?

Nach der Würmeiszeit (115 000 bis 10 000 Jahre vor heute) wanderte der Feldhase aus Osteuropa nach Mitteleuropa ein. Der Mensch war es, der dem Feldhasen schliesslich im Mittelalter einen idealen Lebensraum schuf. Denn um kleinbäuer­liche Landwirtschaft zu betreiben, rodeten Siedler immer mehr Wälder. Die so entstandenen freien Flächen und offene Kulturlandschaften liessen die Langohren bis Mitte des 20. Jahrhunderts in einem wahren Hasenparadies leben. Ab dann ging es mit den Hasenpopulationen bergab. Worin liegt der Grund, warum man heute nur noch mit viel Glück einen frei hoppelnden Feldhasen erblickt? Zum einen sind Feldhasen nur im Frühjahr und Sommer tag­aktiv. Mit dem Herbstbeginn sieht man sie immer seltener, in dieser Zeit werden sie zu nachtaktiven Wildtieren. Schuld am Rückgang sind diesmal auch nicht die Jäger, denn fast in der ganzen Schweiz werden Feldhasen nicht mehr bejagt. Als Hauptgründe werden vielmehr der Wegfall von Hecken, Brachwiesen und die enorme Intensivierung der Landwirtschaft angesehen. Zunehmend fallen Hunderte von Hasen dem Strassenverkehr oder Mähdreschern zum Opfer.

Feldhasen fressen mehr als 80 verschiedene Wild- und Kulturpflanzen. Getreidekörner, junge Triebe, Kräuter sowie Baumrinde vervollständigen die Nahrung. Der massive Einsatz von Pestiziden lässt jedoch das Nahrungsangebot schwinden. Fungizide und Herbizide verursachen bei den Rammlern (männliche Hasen) einen geringeren Anteil an fruchtbaren Spermien. Bei den Häsinnen kommt es zu Veränderungen der Eierstöcke, die Fehlgeburten oder das Absterben von Embryonen hervorrufen.

Ein Hase sieht rot

Der Feldhase wird nach wie vor auf der Roten Liste als gefährdete Art eingestuft. Seit 1991 werden deshalb in der Schweiz im Auftrag des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) Feldhasenzählungen mittels der «Scheinwerferflächentaxation» durchgeführt. Die Zählungen 2018 in 43 Zählgebieten weisen eine leichte Aufwärtstendenz der Feldhasendichte auf. Doch damit ist der Feldhase noch lange nicht vom Eis.

Der Feldhase braucht Schutz

Es ist nicht nur damit getan, offene Landschaften vor weiterer Überbauung und Zersiedelung zu bewahren und auf den Einsatz giftiger Substanzen in der Landwirtschaft zu verzichten. Auch der Freizeitbetrieb schränkt die offene, artenreiche Kulturlandschaft in der Schweiz immer mehr ein. Landwirtschaftliche Aufwertungsprojekte, wie beispielsweise im Schaffhauser Klettgau, sind ein guter Anfang. Dort leben mehr Feldhasen als im nationalen Durchschnitt, im Gebiet Widen lag die Feldhasendichte in den Jahren 2016 und 2017 sogar bei rund 10 Hasen pro km2, also zweimal höher als der nationale Mittelwert. Die enge Zusammenarbeit zwischen den lokalen Landwirten und dem Kanton Schaffhausen macht es möglich. So hat sich der Klettgau zu einer Modellregion für den ökologischen Ausgleich entwickelt.

Weitere Infos: www.vogelwarte.ch

Ich muss hinaus in die weite Welt

Ich heisse Susanne, bin 1941 im Appenzellerland aufgewachsen und war von Beruf Krankenschwester. Während meiner Ausbildung besuchte ich regelmässig die Proben eines Chors. Sie waren für mich eine Möglichkeit, mich ausserhalb des Spitalcampus mit der Stadt und ihren Menschen vertraut zu machen. Ich kannte niemanden und ich fühlte mich sehr alleine. Auch im Personalhaus fühlte ich mich anfänglich sehr fremd. Das Haus war düster und kahl, die unregelmässigen Arbeitszeiten verhinderten viele Kontakte.

«Mann-oh-mann!»

Wie sich die Rolle des Mannes in wenigen Jahrzehnten verändert hat und wie der «moderne» Mann damit umzugehen weiss. Oder eben auch nicht. Eine Bestandesaufnahme (Teil 1).

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