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Ferien / Reisen

Hotels, die Geschichte schreiben

Hotels, die Geschichte schreiben

Viele Gäste schätzen sie, die historischen Hotels. Sie erzählen ihre eigene Geschichte, sie begeistern durch ein ganz besonderes Ambiente. Doch was braucht es, damit der historische Charme eines alten Hotels spürbar bleibt?

«Ein gutes, historisches Hotel zeichnet sich dadurch aus, dass viel von seiner originalen Substanz erhalten bleibt», umschreibt der Berner Architekturhistoriker Roland Flückiger das wichtigste Kriterium. «Der Gast soll fühlen, dass er in ein historisches Hotel einkehrt.» Flückiger hat zahlreiche Publikationen zu Themen aus der schweizerischen Hotel- und Tourismusgeschichte veröffentlicht. Zudem war er Initiator und Jurypräsident der Icomos-Auszeichnung «Das historische Hotel/Restaurant des Jahres» (siehe Box). Heute bewertet er als Jurymitglied die historischen Gastbetriebe im Südtirol.

Ein altes Hotel, welches innen ausgehöhlt und neu aufgebaut worden ist, zählt er nicht zu den historischen Häusern. Ein solches Beispiel ist für ihn der Umbau des Grand Hotels auf dem Bürgenstock. Dort sind sogar die Aussenfassaden verändert worden. «Wer in dieses Hotel tritt, findet sich in einer ganz anderen Welt wieder. Hier ist nichts übrig geblieben von der historischen Substanz.» Auch das Zürcher Nobelhotel Dolder hat seine Geschichte verloren: Das Haus ist abgebrochen und neu aufgebaut worden.

Alt und Neu ergänzen sich

Ein historisches Hotel ist nicht gleichzusetzen mit einem verstaubten Hotel. Es ist kein Hotel, in welchem Kerzen statt Glühbirnen brennen und auch keins, wo sich der Gast auf der Etage duschen muss. Ganz im Gegenteil: «Ein historisches Hotel geht mit der Zeit, erneuert sich, immer mit dem Ziel, den Bruch mit der historischen Substanz zu vermeiden», sagt Flückiger. Es gibt sehr gute Beispiele, die zeigen, wie sich Alt und Neu verbinden lässt. Dazu gehört etwa das Castell Zuoz, das nach einem Brand stark umgebaut worden war. Selbst die trendige Bar der Künstlerin Pipilotti Rist fügt sich dort problemlos in das historische Gemäuer.

Auch das Hotel Saratz in Pontresina zeugt von einer gelungenen Vermählung zwischen Altem und Neuem. Ein Highlight der besonderen Art ist das historische Hotel Waldhaus in Sils, das dank einem guten Architekten und umsichtigen Besitzern immer wieder optimal und mit Sorgfalt auf den neusten Stand gebracht wird. Roland Flückiger kann auf Anhieb mehrere Schweizer Hotels nennen, bei denen Besitzer und Architekten zusammen mit dem Denkmalschutz versuchen, möglichst viel der ursprünglichen Substanz zu erhalten. Dazu gehört etwa das Trois Rois in Basel: Es wurde, mithilfe der Denkmalpflege, stark umgebaut, hat jedoch viel von der historischen Substanz erhalten.

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Schöne Hotels aus der Nachkriegszeit

Als historisch gilt in der Schweiz ein Hotel dann, wenn es mindestens 30 Jahre alt ist. Es ist also nicht so, dass nur Hotels, die vor 1900 gebaut worden waren, eine Geschichte mitbringen. «Auch in der Nachkriegszeit wurden schöne Häuser gebaut», sagt Flückiger. Um 1930 hat sich der neue Baustil aus Dessau, die Bauhaus-Ära, durchgesetzt. Ein attraktiver Zeuge dieser Zeit ist das Tessiner Hotel Monte Verità. Dank der originalen baulichen Details und der stilistisch stimmigen Einrichtung verströmt das Haus einen ganz besonderen Charme. Das Bella Lui in Crans, heute eine Jugendherberge, ist ein weiteres gut erhaltenes Haus aus dieser Zeit. Im Erdgeschoss ist ein historisches Einzelzimmer untergebracht, das seit 1930 nie verändert worden ist.

Später dann, um 1939, hielt der typisch schweizerische Landi-Sti Einzug, genannt nach der damaligen Landesausstellung. Die Architekten haben von Beton auf Holz umgeschwenkt. «Heimelig» wollte man es haben, «liebliche, niedliche Häuser» waren gefragt, so Flückiger. Ein schönes Beispiel aus dieser Zeit ist das Hotel Chesa Grischuna in Klosters.

Der Baustil der 70er-Jahre brachte Hotels hervor wie das Turmhotel Metropole in Interlaken und das Ambassador in Crans Montana. Auch diese Häuser sind Zeugen aus dieser Zeit, selbst wenn sie aus heutiger Sicht nicht zu den architektonischen Würfen gehören. Ein gutes Beispiel aus diesen Jahren ist für Flückiger das 1973 eröffnete Hotel Ambach am Kalterersee im Südtirol. Das architektonisch attraktive Hotel ist noch heute beinahe im Ursprungszustand erhalten und fügt sich schön in die Landschaft ein.

Historisches Hotel des Jahres 2019

Das Grand Hôtel des Rasses in Les Rasses (VD) ist zum historischen Hotel des Jahres 2019 gekürt worden. Der 1898 erstellte und 1913 erweiterte Bau sei ein herausragendes Beispiel eines Belle-Epoque- und Berghotels, befand die Jury. Verliehen hat den Preis Icomos Suisse bereits zum 23. Mal. Ausgezeichnet werden Eigentümer von Hotels oder Restaurants, die ihre Gebäude nach denkmalpflegerischen Grundsätzen erhalten, betreiben und entwickeln. Das Hotel Des Rasses verfügt unter anderem über eine einzigartige Hotelhalle im Stil Sapin-Dekor, über authentische Möbel aus dem Jahr 1914 und über einen Speisesaal mit gemaltem Jugendstil-Dekor.

Auch die Kartause Ittingen ist ausgezeichnet worden, und zwar mit dem Spezialpreis 2019. Die Jury honorierte damit das Bestreben der Stiftung Kartause Ittingen, das historische Erbe der Klosteranlage zu wahren und den einzigartigen Ort nach denkmalpflegerischen Grundsätzen zu erhalten und zu beleben.

Ich muss hinaus in die weite Welt

Ich heisse Susanne, bin 1941 im Appenzellerland aufgewachsen und war von Beruf Krankenschwester. Während meiner Ausbildung besuchte ich regelmässig die Proben eines Chors. Sie waren für mich eine Möglichkeit, mich ausserhalb des Spitalcampus mit der Stadt und ihren Menschen vertraut zu machen. Ich kannte niemanden und ich fühlte mich sehr alleine. Auch im Personalhaus fühlte ich mich anfänglich sehr fremd. Das Haus war düster und kahl, die unregelmässigen Arbeitszeiten verhinderten viele Kontakte.

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