Unsere geliebten Hauskatzen haben es im Laufe der Jahrtausende in der Menschenwelt weit gebracht. Mit ihrem bequemlichkeitsliebenden Wesen haben sie unsere Herzen erobert, bewahren sich aber gleichzeitig ihre Unabhängigkeit.
Im «Büsiland» Schweiz lebt in jedem vierten Haushalt eine Katze, schätzungsweise 1,5 Millionen insgesamt – Tendenz steigend. Gezielt gezüchtet werden Katzen erst seit 200 Jahren, und zwar auf unterschiedliches Fell. Ihr Siegeszug begann aber bereits vor weit über 5000 Jahren. Schon die alten Ägypter verehrten und hielten nubische Falbkatzen, die Vorfahren unserer heutigen Hauskatzen. Sie sorgten für mäusefreie Getreidekammern und galten als die Verkörperung der Katzengottheit Bastet (Göttin der Fruchtbarkeit, der Liebe, der Freude, des Tanzes und der Feste). Ihr zu Ehren töteten Priester Katzen, mumifizierten sie und boten sie Käufern als Grabbeigabe an, um damit der Göttin Bastet besonders zu gefallen. Für diesen Kult wurden Katzen in grossem Stil eigens gezüchtet und getötet. Allerdings galt die Tötung einer Katze ausserhalb des sakralen Bezirks als Kapitalverbrechen, welches hart bestraft wurde.
Schmusetiger und Raubtier
Kleine Untergruppen der frühgeschichtlichen Katzen spalteten sich ab und verbreiteten sich nach und nach überall auf der Erde, wobei die ersten domestizierten Katzen wahrscheinlich in der Türkei lebten. Die Anatomie und Verhaltensweisen unserer Hauskatzen haben sich über die Jahrtausende kaum verändert, auch der Jagdinstinkt ist geblieben. Dank ihres sehr beweglichen Skelettes und der guten Muskulatur sind sie extrem wendig und beweglich, was sie zu erfolgreichen Raubtieren macht. Auch Zähne und Klauen sind nach wie vor tödliche Waffen. Ihre hohe Widerstandsfähigkeit ermöglicht es ihnen, sogar in den unwirtlichsten Gebieten der Erde zu überleben – im Pelz unseres Schmusetigers steckt also noch immer ein erfolgreiches Raubtier.
Distanziert, liebevoll, wild und zahm
Mit Hilfe ihrer schnellen Auffassungsgabe und dem subtilen Anpassungstalent können Hauskatzen mit uns Menschen eine Partnerschaft eingehen – natürlich im Sinne der Katze. Will heissen: Je bereitwilliger der Mensch die Wünsche seiner Katze erfüllt, um so mehr erfüllt die Katze die Wünsche «ihres» Menschen. In puncto Erziehung jedoch ist Schluss mit lustig, hier bewahrt die Katze ihre Wildheit und ignoriert erfolgreich fast alle Erziehungsversuche. Mit viel Geduld und Geschick jedoch kann man eine Kooperation ihrerseits erreichen, insofern sie gerade Lust dazu hat. Dafür lohnt es sich, die Katzensprache zu lernen. Katzenmütter geben «Gurrlaute» zum Anlocken der jungen Kitten von sich. Schafft man es, dieses «Gurren» nachzuahmen, reagieren die meisten Katzen mit freundlicher Kontaktaufnahme, denn das Gurren erweckt auch bei erwachsenen Katzen ein Gefühl der Geborgenheit. Ebenso «kätzisch» ist das Augenblinzeln. Zwinkert man einer Katze zu, wird vielleicht eine Bekanntschaft daraus, insofern, wie schon erwähnt, die Katze Lust dazu hat. Katzen nutzen das Augenblinzeln untereinander zum freundlich gesinnten «Grüezi-Säge». Versteht man also die Körpersprache einer Katze und respektiert ihre Gesetze, hat man gute Chancen, eine Beziehung zur felinen Herrscherin entstehen zu lassen. Und wahrscheinlich sind es genau diese eigenwilligen und gegensätzlichen Verhaltensweisen, die uns Menschen faszinieren. Sie wecken den Ehrgeiz in uns, die Gunst der Katzen zu gewinnen.
Wir lieben unsere Katzen
Hier sind sich fast alle Katzenbesitzer einig. Aber lieben Katzen auch uns? Oder ist es nur die Freude darüber, mit einem zweibeinigen Dosenöffner zusammen zu leben? Eine feste Bindung zwischen Mensch und Katze gibt es, wenn der Mensch der Katze genügend Freiraum lässt und sie nicht einengt. Ambitionierte Katzenbesitzer übernehmen die Rolle des Muttertieres. Sie pflegen, füttern, halten die Katzentoilette sauber, spielen und bieten Streicheleinheiten an. Somit behalten die Katzen viele kindliche Verhaltensweisen auch im Alter bei. Köpfchen geben, andrücken, schnurren und vor allem das «Popo darbieten». Kitten tun dies, damit das Muttertier den Popo auf Sauberkeit überprüfen kann (Analkontrolle). Merken wir uns demnach: Zeigt die Katze uns den Allerwertesten, ist dies ein Zeichen grosser Zuneigung und Vertrauen, denn es gibt sie, die Liebe der Katzen zu Menschen. Sie zeigen es eben auf ihre ganz eigene Art, so wie Katzen nun mal sind.
Anne Weber
Das Phänomen der Katzenvideos
Sie heissen Crumpy Cat, Bob, der Streuner, Simon’s cat etc. Nichts wird im Internet so oft angeklickt und kommentiert wie Videos und Fotos mit Katzen, egal, ob real oder animiert. Die behinderte Katze Crumpy Cat mit dem mürrischen Gesichtsausdruck ist mittlerweile ein Filmstar und zur eigenen Marke avanciert. Seine Besitzerin hat Crumpy Cat damit zur Multimillionärin gemacht.
Die Animation Simon’s cat sorgt regelmässig für zustimmendes Nicken und Lachanfälle, allerdings meist nur bei engagierten Katzenbesitzern. Auch kleine Kätzchen haben es uns angetan. Sie lösen bei uns Menschen den «Jöö-Effekt» aus und vertreiben mit ihren grossen Kulleraugen und Stupsnasen in Sekundenschnelle schlechte Laune.






