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Smart Future – Digital Unterwegs mit dem ÖV

Smart Future – Digital Unterwegs mit dem ÖV

Die Digitalisierung schreitet voran. Schlagworte wie «Smart Technologies» oder «Smart Cities», Industrie 4.0 oder auch 5G sind nur einige davon. Wer nicht mitrennt, wird überrannt, bleibt auf der Strecke. Doch wohin führt uns diese Zukunft, die längst begonnen hat? Was bleibt, wenn uns der Kühlschrank vorschreibt, was wir im Supermarkt kaufen sollen?

Kürzlich hatte ich einen geschäftlichen Termin in Zürich. Diesen hatte ich mit einem Besuch bei einigen Freunden koordiniert, wenn ich dann nun schon mal in der Ge­gend wäre. Umweltbewusst wählte ich den öffentlichen Verkehr. Wer fährt schon gerne mit dem Auto nach und in Zürich, ausserdem ist die Bahn in diesem Falle auch schneller. Als ich am Schalter ein Billett lösen wollte, war da eine lange Schlange, der Zug fuhr indes in vier Minuten. Also wählte ich den Billettautomaten. Einmal Zürich und wieder zurück. Klappte. Heraus kam ein Papier, auf dem «Zonen» aufgedruckt waren. Von Zürich stand nichts. Zug erwischt, keine Kontrolle. Ich nahm den Termin wahr, traf mich am Nachmittag mit einer Freundin im Niederdorf auf einen Apéro und besuchte einen alten Freund in seiner Zürcher Stadtwohnung, der mich köstlich bewirtete. Es wurde ziemlich spät, sodass ich bei ihm übernachtete.

Am nächsten Morgen im Zug. Diesmal kam der Kondukteur – entschuldigen Sie, heute heisst das «Zugbegleiter» – und beschied mir, mein «Ticket», nicht Billett, sei seit zwei Stunden abgelaufen. Auf die Erwiderung, ich hätte doch einfach «Züri retour» gelöst, kam die Antwort, es handle sich hier um ein Ticket, das nur 24 Stunden Gültigkeit hätte. Gelöst hätte ich es indes vor 26 Stunden. Nach langem Hin und Her – ich gab den Unwissenden, der ich tatsächlich war – gab der Kondukteur Schrägstrich Zugbegleiter insofern nach, als dass er mich nicht des Schwarzfahrens bezichtigte und mir keine Busse aufdrängte, aber darauf bestand, die Rückfahrt, die ich ja eigentlich bezahlt hatte, noch einmal zu bezahlen. Ich bezahlte. Den Automaten werde ich allerdings nie wieder anrühren.

Von wegen Automaten. Vor wenigen Wochen führten «sympathische SBB-Angestellte» (so in etwa im PR-Text der SBB) einen Kurs für Senioren und Seniorinnen am Ticketautomaten der SBB in Uzwil durch. Zwei oder drei Mal, und die Leute kamen en masse, wohl aus purer Not. Bleibt zu vermuten, dass die sympathischen SBB-Angestellten diese Kurse schweizweit durchführen, denn zusehends werden Bahnhöfe geschlossen – und jene, die gross genug sind, Schalter zu betreiben, sind überlastet. Bleibt, sich ein immer teurer werdendes Generalabonnement zu besorgen oder aussen vor zu bleiben.

Die guten alten Zeiten

Ich erinnere mich, wie wir als Familie zu den Grosseltern reisten. Per Bahn, denn ein Auto konnten wir uns damals noch nicht leisten. Am kleinen Dorfbahnhof (heute geschlossen) lösten wir unsere Billette. Das waren damals kleine Kartonkarten, braun für die Erwachsenen, braun-weiss für Kinder. Aufgedruckt waren Abfahrts- und Zielort, ein Pfeil bedeutete «einfach», zwei Pfeile «retour». Dann kam der Kondukteur, der damals noch nicht Zugbegleiter hiess, und machte mit der Lochzange – nun ja, was wohl – ein Loch. Bei der Retourfahrt gab es ein zweites Loch, und das Billett war definitiv entwertet. Einfach und effektiv. Heute reisen wir nicht mehr von A nach B, heute reisen wir in «Zonen». Verstehen kann das niemand.

Dasselbe im Bus. Früher löste man im öffentlichen Stadtverkehr ein Billett, und das hatte einen fixen Preis. Heute löst man Zonen, was einen vor Herausforderungen stellt. Von der Peripherie in die Stadtmitte? Ich löste das Problem schon mehrfach so, dass ich – das Portemonnaie in der Hand und mit einem Fragezeichen im Gesicht – vor dem Automaten im Bus stand und etwas genervt darauf herumdrückte. Nach sechs oder sieben Stationen Fragezeichen stieg ich dann aus. Hätte mich ein Kontrolleur – äxgüsi, Busbegleiter – erwischt, wäre ich hoffentlich mit einem blauen Auge davongekommen.

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Der falsche Kanton

Nun ist der öffentliche Verkehr nicht das einzige Ärgernis. Wir leisten uns im Sommer ein kleines Cabrio. Bedingt, dass ich die Nummernschilder Ende Oktober abgebe und das Cabrio in der Winterhöhle parkiere und Anfang Mai wieder einlöse. Formular ausfüllen, Fahrzeugausweis mitnehmen, Schilder bei der Post deponieren, einfache Sache. Nur hat die Post in unserem Dorf letztes Jahr zugemacht. Also gehe ich zur nächstgelegenen Filiale. Nur hatte ich nicht damit gerechnet, dass diese Poststelle – wir wohnen an einer Kantonsgrenze – zu einem anderen Kanton gehört, weshalb sie die Schilder nicht annehmen konnte. So fuhr ich halt wieder über die Kantonsgrenze zurück zu einer weiteren, etwas entfernteren Postfiliale. So viel zum Thema Digitalisierung bei der – notabene – «Schweizerischen» Post.

Um noch einmal auf die SBB zurückzukommen, ich erinnere mich mit Freuden an einen Werbespot im Schweizer Fernsehen für unsere mit Pannen behafteten Bundesbahnen, in dem eine rüstige Rentnerin erklärt, wie einfach es doch sei, auf dem Smartphone ein Billett zu lösen. Einmal «kli­cke, wüsche, drücke und färtig». Oder so ähnlich. Habe ich ausprobiert und hat nach mehreren Versuchen geklappt. Als indes der Kondukteur, sprich Zugbegleiter, vorbeikam, meldete mein Smartphone «Akkuladung extrem niedrig» und schaltete sich aus. Ich könne ja aufladen, meinte der Herr, der mit A. Rüdisühli beschriftet war, doch ein Ladekabel hatte ich Dödel leider nicht dabei. Sprich: Es gab von Herrn Rüdisühli so eine Art Verwarnung und Vorladung, ich sollte zum nächsten Bahnhof und dort versuchen, den Akku wieder aufzuladen, sonst gäbe es eine Busse. Somit fuhr ich also nach Beendigung der Reise mit dem Bus – wie immer mit Portemonnaie in der Hand und Fragezeichen im Gesicht – zum nächsten grösseren Bahnhof mit Schalter und konnte das Problem lösen.

Von wegen Bahn. Auch meine Frau hatte da, in allerjüngster Vergangenheit, ein wenig erfreuliches Erlebnis. Sie hatte – am Schalter – einen teuren Liegeplatz im Schlafwagen nach Hamburg reserviert. Der Zug fiel aus, und sie musste etwa dreimal umsteigen (Bus, Regionalzug, ICE) und in völlig überfüllten Zügen reisen. Massive Verspätung am Ankunftsziel auf Sylt. Auf der Reise zurück war der gebuchte Zug defekt, der Ersatz blieb auf der Strecke mit abgerissener Oberleitung stecken, drei Stunden Evakuierung und Übernachtung in Mannheim. Resultat: Dreimal umsteigen, übernachten auf Kosten der Bahn in Mannheim, rund zwölf Stunden Verspätung. Am Sonntagmittag, der Tisch war bereits gedeckt, meldete sie sich gegen 11 Uhr, sie sei jetzt in Basel. Einige Stunden später gabs dann Mittagessen, nachdem ich aus hungriger Verzweiflung sämtliche Müsliriegel verdrückt hatte, die ich finden konnte.

Gewurschtel am Flughafen

Übel erging es mir auch beim Self-Check-in am Zürcher Flughafen. Gut, das Ticket kam raus, dann auch der Gepäckbändel, doch wickelte sich dieser derart ungelenk um den Koffer, dass ein Teil davon an meiner Hose hängen blieb und es dann zu einem regelrechten Gewurschtel kam, bis ich das Bändeli tatsächlich anbringen konnte. Böse Geschichte, guter Schluss, der Koffer kam am Reiseziel an, und die klebrige Hose musste wohl oder übel in die Reinigung.

Es liessen sich noch viele (wahre) Geschichten erzählen, mit grossem Spass jene des neuen Berliner Flughafens, der eigentlich schon seit vielen Jahren geöffnet haben sollte und immer noch so eine Art Bauruine ist. Doch war das eigentliche Thema dieses Beitrags ja die Digitalisierung, die – und deshalb die vorangegangenen Beispiele – beim öffentlichen Verkehr zwar Fortschritte gemacht hat, aber der durch das eine oder andere technische Gadget, durch fehlende Stromversorgung, handwerkliche Herausforderungen oder durch simple Triebwerks- oder Oberleitungsschäden doch dann und wann einige Hürden in den Weg gelegt werden.

Roland Breitler

Viele Wege zum Zugbillett

  • Beratung an einem benachbarten Bahnhof.
  • Beratung durch das Beratungsteam vom Railservice unter der Ortstarif-Nummer 0848 44 66 88. Lieferung der Tickets auch nach Hause.
  • Beratung an jedem Billettautomaten: Rufen Sie die daran aufgebrachte Telefonnummer an, und das Beratungsteam vom Railservice hilft Ihnen an dem Billettautomaten weiter, vor dem Sie gerade stehen – sogar die Fernbedienung des Automaten durch die Beratungsperson ist möglich!

Beratungs- und Schulungsangebote

  • Kurse im Schul- und Erlebniszug, www.sbb.ch/de/abos-billette/kaufmoeglichkeiten/seniorenschulungen/schulungen-fahrplan-ticketshop.html
  • Kurse «Mobil sein & bleiben» von Rundum mobil: mobilsein-mobilbleiben.ch/web/
  • An 50 SBB-Bahnhöfen kann eine persönliche Beratung bzw. Schulung von rund 30 Minuten gebucht werden: www.sbb.ch/termin

Wenn die Wörter Samba tanzen

Illetrismus. Was für ein hässliches Wort. Ist Illetrismus eine Krankheit? Und, wenn ja, lässt sie sich heilen? Und was steckt überhaupt dahinter? Illetrismus, auch als funktionaler Analphabetismus bezeichnet, ist eine Volkskrankheit. Die «Durchseuchung» ist enorm. Fast jeder sechste berufstätige Schweizer oder jede sechste Schweizerin ist davon betroffen.

Scheue Hoppler

Feldhasen sind Meister der Tarnung, äusserst schnell und umsichtig. Doch ihre derzeitige Lebenssituation ist trotzdem nichtgerade erfreulich.

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