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Gesundheit

Quallenstiche: Erste Hilfe bei Kontakt

Quallenstiche: Erste Hilfe bei Kontakt

Quallenstiche sind sehr schmerzhaft. Wer in Berührung mit einer Qualle kommt, erleidet meist eine Verletzung. Es gilt, Ruhe zu bewahren und nicht in Panik zu geraten. Auch wenn die Haut höllisch brennt, lässt sich der schlimmste Schmerz mit ein paar einfachen Verhaltensregeln rasch lindern.

Der Sommer steht vor der Tür, und die Vorfreude auf die Sommerferien am Meer wächst. Endlich am Strand angekommen, folgt übermütig der Sprung ins kühle Nass. Beim Plantschen ist der Alltag schnell vergessen. Dann – völlig unerwartet und aus dem Nichts – schmerzt und brennt es höllisch an einzelnen Körperstellen. Im klaren Meerwasser ist nichts Aussergewöhnliches zu erkennen. Unter Schock fängt man an zu zappeln. Die Panik steigt. Raus aus dem Wasser. Am Ufer angekommen, sieht man auf der betroffenen Hautstelle Verletzungen, die einer Verbrennung gleichen. Schnell wird klar: Der Übeltäter muss eine Qualle gewesen sein. Obwohl Quallenstiche häufig sind, kennen die wenigsten Menschen die wichtigsten Verhaltensregeln nach einer Quallenverletzung.

Nesseltiere mit meterlangen Tentakeln

Quallen gehören zur Familie der Nesseltiere. Man findet sie in nahezu allen Weltmeeren. Kennzeichnend sind ihre teils me­terlangen Fangarme, die Tentakel. An diesen befinden sich die sogenannten Nesselzellen oder Nesselkapseln, die einen spiralig aufgewickelten Nesselfaden enthalten. Bei Berührung wird dieser Nesselfaden explosionsartig ausgestossen, wobei er ein giftiges Sekret in die Haut des Opfers injiziert. Mit ihrem Nesselgift lähmen oder töten Quallen normalerweise kleine Beutetiere. Ihr Gift dient aber auch als wirksame Verteidigungswaffe gegen echte und vermeintliche Feinde. Je nach Quallenart verfügen die Tiere über unterschiedlich toxische Gifte.

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Vorsicht vor abgetrennten Tentakeln und toten Tieren

Quallen sind teilweise durchsichtig und daher im Wasser nur schwer auszumachen. Manchmal reissen ihre Tentakel ab und schwimmen frei im Meer herum. Die treibenden Tentakel oder auch tote Tiere am Strand und im Wasser können noch mehrere Tage lang aktive Nesselkapseln besitzen und bei Hautkontakt Reaktionen auslösen.

Schmerzhafter Hautkontakt

Kommt der Mensch in Kontakt mit einer Qualle, reagieren die Giftharpunen an den Tentakeln blitzschnell. Der ganze Vorgang dauert nur eine Hundertstelsekunde. Das Nesselgift schädigt die Hautzellen und reizt die Nervenenden. Es löst eine allergische Reaktion aus. Quallengift ist für gesunde Menschen zwar schmerzhaft, aber bis auf dasjenige weniger Arten nicht lebensbedrohlich. Bei Allergikern kann allerdings auch das Gift von weniger gefährlichen Arten heftige Reaktionen auslösen. Die Symptome nach einem Stich fallen je nach Quallenart unterschiedlich stark aus.

Mögliche Reaktionen auf Quallenstiche

  • Rötungen und Schwellungen
  • Brennende Schmerzen
  • Juckreiz
  • Ausschlag: Quaddeln, Blasen und Pusteln
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Kreislaufprobleme: Schwindel, Benommenheit, Ohnmacht, Bewusstlosigkeit
  • Lähmungserscheinungen
  • Angst, Verwirrung
  • Anaphylaktischer Schock

Wann ist ein Quallenstich ein Notfall?

Juckender und brennender Schmerz sowie Rötungen und Quaddeln an den betroffenen Hautstellen sind die ersten Reaktionen nach einem Kontakt mit einer Qualle. Kommen weitere Symptome dazu oder bessert sich der Zustand nicht innerhalb von Stunden, soll in jedem Fall ein Arzt aufgesucht werden. Für Allergiker kann ein Quallenstich schon nach kurzer Zeit zum Tod führen. Daher muss bei Atemnot und Kreislaufproblemen umgehend ein Notarzt angefordert werden. Allergiker sollten generell stets ein Notfallset mit sich führen.

Erste Hilfe bei Quallenstichen

  • Ruhe bewahren und das Wasser sofort verlassen
    Spürt man beim Schwimmen plötzlich heftige, brennende Schmerzen, soll man unbedingt Ruhe bewahren und das Wasser so rasch wie möglich verlassen. Sofern der Strandabschnitt überwacht wird, wendet man sich umgehend an die Strandaufsicht.
  • Nicht reiben, kratzen oder rubbeln
    Die betroffene Stelle auf keinen Fall mit einem Handtuch rubbeln. Durch Druck auf die Haut aktiviert man noch intakte Nesselzellen an haftenden Tentakeln.
  • Mit Salzwasser spülen
    Um hängen gebliebene Tentakel zu entfernen, spült man die betroffene Hautstelle mit Meerwasser ab. Auf keinen Fall Süsswasser oder alkoholhaltige Flüssigkeiten benutzen, dies könnte noch intakte Nesselzellen aktivieren.
  • Nesselzellen inaktivieren
    Um die Nesselzellen zu inaktivieren, die betroffenen Hautstellen mit Haushaltsessig übergiessen.
  • Verbleibende Tentakel entfernen
    Noch haftende Tentakel mit einer Pinzette entfernen. Auf die betroffene Hautstelle vorsichtig warmen Sand streuen, kurz abwarten und anschliessend die Masse aus Sand und Tentakeln abschaben. Als Hilfsmittel dienen Kreditkarten, Messer oder Plastikschaufeln. Auf keinen Fall den Sand verreiben oder drücken. Bei der Erstversorgung ist das Tragen von Handschuhen sinnvoll, damit keine weiteren Quallenverletzungen beim Betroffenen oder bei Helfenden entstehen.
  • Entzündete Hautstelle behandeln
    Sobald alle Tentakel gründlich entfernt sind und keine schwerwiegenden Hautverletzungen vorliegen, darf die betroffene Stelle mit Süsswasser und Desinfektionsmittel gereinigt werden. Bei Bedarf die Wunde verbinden. Das Kühlen mit Eis oder kalte Wickel lindern die Beschwerden. Zur Wundpflege eignen sich Salben mit Antihistaminika. Kortisonsalben lindern Hautentzündungen.

Vorsorge

Zum Schutz vor Quallen müssen Warnungen an Badestränden ernst genommen, und allenfalls muss aufs Schwimmen verzichtet werden. Quallen, die an den Strand gespült werden, nicht berühren, ihre Nesselkapseln können immer noch aktiv sein. Wer wirklich auf Nummer sicher gehen will, sollte auf Neoprenanzüge zurückgreifen.

Es gibt mittlerweile auch Sonnenschutzmittel, die zusätzlich Schutz vor Quallenverletzungen bieten sollen. Die Wirkung dieser Kombinationspräparate ist jedoch umstritten, am besten lässt man sich von einer Fachperson beraten.

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Verlauf

Manche Menschen leiden noch Monate nach einem Quallenstich unter Beschwerden wie Juckreiz und Sensibilitätsstörungen. Die verschiedenen Nesselgifte der Quallen sind noch längst nicht alle erforscht. Einen kompletten Schutz oder gar eine Impfung gibt es daher nicht.

Quallen in europäischen Meeren

In europäischen Meeresregionen gibt es nur wenige Quallen, die bei Kontakt mit einem Menschen Beschwerden auslösen können. Schwerwiegende Vorfälle sind in Europa selten. Im Mittelmeer sorgen vor allem Leuchtquallen für Ärger. Haarquallen und Kompassquallen kommen ebenfalls recht häufig vor, ihre Stiche sind allerdings nicht so schmerzhaft. Da das Mittelmeer durch die Klimaerwärmung immer wärmer wird, fühlen sich hier seit wenigen Jahren auch tropische Nesseltiere wie die Portugiesische Galeere wohl. Ihr Gift ist das einzige Nesselgift im Mittelmeer, das tödlich sein kann. Die Anzahl dieser gefährlichen Tiere im Mittelmeer ist allerdings gering und ein Kontakt in Küstennähe eher unwahrscheinlich. Daher gilt bei Quallen Vorsicht, aber keine Panik. Besonders gefährliche Quallenarten leben hauptsächlich in tropischen Regionen und im Pazifik rund um Australien.

Quallenjäger

Die erfolgreichsten Quallenjäger sind Thunfische, Schwertfische und Meeresschildkröten. Eine Meeresschildkröte kann wöchentlich bis zu einer Tonne Nahrung verschlingen. Die imposanten Tiere sind leider vom Aussterben bedroht. Vielerorts werden sie deshalb am Mittelmeer gezüchtet und später ausgesetzt. Durch Überfischung geraten die natürlichen Feinde der Quallen allzu oft in die Netze von Fischern.

Franzi Holweck

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