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Natur

Baumpollen sind lästig und doch faszinierend

Baumpollen sind lästig und doch faszinierend

Hasel und Erle blühen, Ende März kamen Esche und Birke dazu: Die Baumpollensaison ist in vollem Gang. Fast jede zehnte Person ist sensibilisiert auf Birkenpollen und reagiert damit allergisch auf deren Pollenkörner, die zur Blütezeit in der Luft herumfliegen.

Wenn man genauer hinschaut, erkennt man aber, dass die fliegenden Pollenkörner eine wichtige Funktion haben und echte Wunder der Natur sind. Pollenkörner sind die männlichen Keimzellen von Pflanzen und dienen der geschlechtlichen Vermehrung. Produziert wird der Pollen in den Staubbeuteln von Blüten, ihre chemische Struktur ist hochkomplex. Sein Ziel ist die Befruchtung, damit eine neue Pflanze entstehen kann. Dazu muss er zur weiblichen Eizelle gelangen. Diese liegt, fest in der Blüte verankert, im sogenannten Embryosack des Fruchtknotens. Doch bekanntlich führen viele Wege nach Rom – für ihren Weg zur Narbe nutzen verschiedene Baumpollen unterschiedliche Transportmittel.Pollen von Nadelbäumen zum Beispiel werden evolutionär bedingt vom Wind verfrachtet. Aus einem bestimmten Grund: Vor Millionen von Jahren gab es noch keine Insekten, die Pollen übertragen konnten. Da zur kalten Jahreszeit noch keine oder nur wenige Insekten unterwegs sind, werden auch früh blühende Laubbaumarten durch den Wind bestäubt.

Die Pollen vieler anderer Arten werden von Tieren transportiert. Meist sind es Insekten wie Käfer, Bienen oder Schmetterlinge. Doch auch Vögel oder Fledermäuse können Pollen verbreiten. Oft ist einer Pflanze anzusehen, ob sie vom Wind oder von Insekten bestäubt wird: Insektenbestäubte Pflanzen ziehen ihre Bestäuber mit gros­sen, farbigen Blüten an, während windbestäubte Blüten eher klein und unscheinbar sind.

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Haselsträucher sind Multimillionäre

Ein illustres Beispiel einer windbestäubten Pflanze ist der Haselstrauch. Seine Blütenstände werden schon im Vorjahr angelegt und entfalten sich mit den ersten Sonnenstrahlen früh im Jahr. Die männlichen Blütenstände sind als Kätzchen bekannt und etwa 4 cm lang. An einem einzelnen Kätzchen können bis zu 170 Schuppenblüten mit je vier Pollensäcken wachsen. Jede dieser Blüten produziert rund 12 000 Pollenkörner. Bei durchschnittlich über 300 Kätzchen pro Strauch macht das 600 Millionen Pollenkörner, die der Wind von einem einzigen Haselstrauch mitträgt.Für eine Windbestäubung sind so viele Pollen wichtig, da diese zufällige Art der Bestäubung zu gros­sen Verlusten führt. Im Gegensatz dazu fliegen Insekten Bäume gezielt an, womit die Verluste kleiner und so weniger Pollen nötig sind.

Häufig sind es Birkenpollen

Ein Teil dieser Pollenkörner, die der Wind von Bäumen mitträgt, atmen wir ein oder sie landen in unseren Augen. Das Immunsystem muss nun entscheiden, ob die Partikel harmlose Umweltprodukte oder ge­fährliche Schadstoffe sind. Doch gerade weil Pollenkörner chemisch so komplex sind, werden sie oft fälschlicherweise als Bedrohung eingestuft, und der Körper eines Allergikers versucht sie zu bekämpfen. Bei manchen Allergien genügen bereits wenige Pollenkörner, um eine heftige Reaktion auszulösen. Besonders häufig geschieht dies bei Birkenpollen: Etwa 10 Prozent der Schweizer Bevölkerung sind auf Pollen von Birken sensibilisiert. Diese gehören zu den wichtigsten und aggressivsten Baumpollenallergenen.

Die Reaktion des Immunsystems zeigt sich vor allem an den Schleimhäuten von Nase, Augen, Mund- und Rachenraum. Betroffene Personen leiden unter Niesattacken, ihre Augen sind gerötet und jucken und die Schleimhäute schwellen an. Auch die Nase juckt, ist verstopft oder läuft, und es kommt zu Husten, Heiserkeit und Halsschmerzen. Besonders schlimm für Allergiker sind die jedes zweite Jahr auftretenden Mastjahre, in denen Birken besonders viel Pollen produzieren. Dabei sind sie schon in normalen Jahren Spitzenreiter und produzieren während einer langen Blütezeit von März bis Mai so viel Pollen wie keine andere Pflanze. Seit Jahren beobachtet man jedoch, dass sich der Pollenflug im Allgemeinen zeitlich verlagert. Er fängt früher an und endet spät. Bei mildem Klima kann es passieren, dass im November die letzten Gräserpollen und bereits im Dezember schon die ersten Haselpollen fliegen.

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Kreuzreaktionen

Leider kann es vorkommen, dass der Körper von Allergikern nicht nur harmlose Pollenkörner zu feindlichen Zielen erklärt, sondern auch andere Substanzen mit einer chemisch ähnlichen Oberflächenstruktur. Der Mediziner spricht von Kreuzallergien. Rund 70 Prozent der Birkenpollenallergiker reagieren auch allergisch auf Pollen von Erle und Hagebuche sowie auf Nahrungsmittel wie Äpfel, Haselnüsse, Kirschen, Karotten, Sellerie, Avocado oder Soja.

Im Extremfall kann eine Kreuzreaktion lebensbedrohlich sein. Gefährdete Patienten müssen immer Medikamente auf sich tragen, um rechtzeitig eingreifen zu können.

Flucht in die Höhe

Meist sind die Symptome allerdings ungefährlich und nur lästig. Dann reicht es, wenn die Betroffenen eine Brille tragen, im Auto Pollenfilter einbauen und die Zimmerfenster zu Pollenflugzeiten schliessen. Oder sie flüchten in die Höhe: Im kühleren Alpenklima gedeihen zum Beispiel Hasel und Esche nicht. Wegen der tiefen Temperatur produzieren die Pflanzen in den Alpen meist auch weniger Pollen, sodass dort die Pollensaison viel kürzer und schwächer ausfällt.

Wer nicht nur die Symptome lindern oder den Pollen ausweichen will, kann auch eine spezifische Immuntherapie in Betracht ziehen. Dabei wird der Körper schrittweise und über eine längere Zeit an die Allergene gewöhnt. Für eine solche Desensibilisierung werden die Substanzen über einige Jahre regelmässig gespritzt oder oral eingenommen. Sehr starken Allergikern wird dies empfohlen, damit Pollen auch für sie wieder zu Freunden werden.

Quelle: Mathias Brunner AG

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